Montag, 28. Mai 2018

Live: Krakow Loves Adana in Münster

krakowlovesadana.bandcamp.com
(ms) Münster in Westfalen ist oft eine relativ biedere Stadt. Dafür sind Faktoren wie der allseits präsente Katholizismus, die konservativen Eliten und der Hang im Umland, Pferde zu züchten, verantwortlich. Das schlägt auch durch, wenn samstags oder sonntags schlagartig die Straßen wie leergefegt sind. Das heißt - neben vermutlich schlechtem Wetter wie eh und je -, dass da ein Krimi im Fernsehen läuft. Samstags ist es dann Wilsberg auf dem ZDF oder sonntags halt der Klamauktatort, der größtenteils in Köln gedreht wird. Gestern war es mal wieder soweit, da wir den Abend in der schönen, gemütlichen Pension Schmidt verbracht haben, wissen wir nur, dass es im Krimi unter anderem um einen toten Pinguin ging. Das sollte alles wichtige sein, das man wissen muss.
Denn gut 50 Leute sind in die Innenstadt gepilgert, eben in diesen furchtbar schönen Laden. Und das nicht einfach nur, weil man da lecker Bier und Cocktails trinken kann, sondern die Betreiber ein sehr gutes Händchen für Veranstaltungen haben. Neben Lesungen und Pubquiz gibt es immer wieder schöne Konzerte. Gestern spielten die Kölner Band Malta und das Hamburger Duo Krakow Loves Adana.
Die Pension ist bei Konzerten in der Regel bestuhlt. So war es auch gestern.
Auf den einladenden Stühlen und Sesseln haben die Kommenden es sich bequem gemacht und sehr aufmerksam dem gelauscht, was kam. Malta spielten zuerst und zu dritt. Ich glaube, sie vor drei Jahren mal als Support von Herrenmagazin in Dortmund gesehen zu haben, erinnere mich aber nicht wirklich daran. Sie folgen im Sound und Text einem furiosen Konzept: Es geht um das Leben im All, um UFOs, Außerirdische, das Ungewisse. Nicht plump und platt und blöd. Sondern sehr tiefsinnig und andächtig. Je weiter dieser rote Faden durchgesickert ist, desto besser wurde es. Auch den sehr schmalen Grad im Text zwischen Deutsch und Englisch zu wechseln - eine Eigenart, die ich sonst nicht unterstütze - haben sie irgendwie extrem gut beherrscht. Sympathischer, kurzweiliger Auftritt.
Foto: luserlounge
Sehr schnell haben sich anschließend Robert und Deniz auf der niedrigen Bühne eingerichtet, die als Krakow Loves Adana das Zepter übernahmen. Ihren schönen, düsteren Indiepop haben wir Euch bei deren letzten Album schon wärmstens ans Herz gelegt!
Als Paar eine Band sein, dafür muss man gemacht sein. Unter Umständen muss man es dann auch mit einem Lächeln verkraften, wenn auf dem Weg von Hamburg nach Münster das Auto nicht so will, wie man selbst. Und das bei krassestem Sonnenschein und unter Zeitdruck. Sechs Stunden sind für diesen Weg schon sehr viel. Doch Erschöpfung oder Genervtsein war ihnen nicht anzumerken. Robert (stilecht in schwarz gekleidet) und Deniz (Eyecatcher in Bunt und Glitzer) haben Bock an der Musik ausgestrahlt. Mit Schlagzeug aus der Dose und Passion an der Gitarre und den Tasten haben sie die sitzenden Köpfe zum wackeln und die Füße zum wippen gebracht. Songs aus dem aktuellen Album Songs After The Blue und dem Vorgänger Call Yourself New bestimmten das Set. Wie auf Platte, so hat auch live die grandiose Stimme von Deniz dominiert und überzeugt. Diese wunderbare, faszinierende Tiefe und die darin liegende Mystik ist bestechend. Das sollte man sich bei Gelegenheit dringend ansehen. Dazu gab es freundliche, entspannte Ansagen und ehe man es sich versieht, war der musikalische Abend vorbei.
Es wurden zwar keine Mörder überführt und auch keine Rätsel gelöst. Doch besser, wesentlich besser als der Krimi zur Primetime war es mit extrem großer Wahrscheinlichkeit!



Sonntag, 27. Mai 2018

Live: Kettcar in Flensburg

Quelle: oeamtc.at
(ms) Vielleicht ist ein unverhofft frei gewordenes Wochenende die beste Gelegenheit, wie man die Leidenschaft zur Musik und in diesem Falle zu einer speziellen Band eines Mitt-/Endzwanzigers am Beste erklären kann.
Man kennt das eventuell: Eine Veranstaltung - in diesem Fall eine freiwillige Fortbildung -, auf die man sich extrem gefreut hat, wird kurz vorher abgesagt. Der Grund: zu wenig Teilnehmer. Das ist ärgerlich und auch ein bisschen frustrierend. Die Lösung: Irgendwie die frei gewordene Zeit kompensieren. Und mit einem leichten Hang zur Livemusik, war der erste Gedanke klar. Wo spielen am Wochenende welche tollen Bands und wie kommt man da am Besten hin?
Nach kurzer Recherche stand fest: Kettcar und Torpus & The Art Directors spielen eine Clubshow in Flensburg. Ergo: Karte bestellt, Bahnticket gebucht, Unterkunft organisiert.
Wer noch nicht in Flensburg gewesen ist, dem sei gesagt, dass es eine wirklich schöne Stadt ist; nicht zu groß und nicht zu klein und mit dem wahnsinnigen Vorteil, direkt am Wasser gelegen zu sein. Nach einer Radtour über die Grenze nach Dänemark und Genuss des ansässigen Bieres - neben der großen Flens-Brauerei gibt es auch die kleine Hansen Brauerei, bei denen man nett draußen sitzen kann - ging es zum max.
Wissenswert ist möglicherweise, dass ich Kettcar in den letzten zehn Monaten nun sechs Mal gesehen habe. Und das siebte ist nicht fern. Es ist die Band für mich, die mich mit ihren Texten wohl am stärksten berührt. Es sind die großartigen Liebeslieder wie Rettung oder 48 Stunden, die politischen wie Sommer '89, Wagenburg und den Hits wie Balkon Gegenüber und Deiche. Den fünf Hamburgern gelingt es in einzigartiger Art und Weise das Wesen, das den Menschen menschlich macht, in Worte zu fassen. Die Geschichten und Gefühle, die jeder kennt. Und auch Situationen, die man eventuell selbst nicht erlebt hat, so darzustellen, als ob man mittendrin ist. Außerdem sind sie halt gute Musiker, astreine Typen und passable Entertainer.
Der Club max. (ja, klein geschrieben und mit Punkt) liegt direkt am Hafen und wenn man rein kommt, ist es Nacht. Selten in so einem extrem dunklen Laden gewesen. An den Treppen muss man vorsichtig sein, die richtige Stufe zu erwischen, doch man gewöhnt sich dran.
Nach der Frühjahrstour zum Album We Both Need To Accept That I Have Changed, die Torpus & The Art Directors noch zu fünft gespielt, war dies eines der ersten Konzerte, das sie nun zu viert bestritten haben, nachdem Melf Petersen die Band verlassen hat. Doch ihr halbstündiges Set war natürlich großartig. Die zweite Gitarre hat gefehlt, das war zu hören, einige Songs bekommen durch sie mehr Körper. Doch durch emotionale Lieder (4x7 oder Fall In Love) und extrem sympathische Ansagen wurde es gemütlich und schön.
Nun ist der Laden nicht so extrem groß, kein Platz für einen Banner oder die LED-Leinwände von Kettcar, die sie in den größeren Hallen im Frühjahr genutzt haben. Alles etwas kleiner, puristischer, näher, persönlicher. Es ging mit Trostbrücke Süd los und endete mit Den Revolver Entsichern. Dazwischen Schilderungen, wie Reimer den Vormittag an der Nicolaikirche verbracht hat (oder sich das zumindest gut ausgedacht), die Band etwas Respekt vor dem Auftritt bei Rock Am Ring hat und die Norddeutschen für ihr Norddeutschsein loben. Es ist leicht, sich bei einem Kettcar-Auftritt wohl zu fühlen, den Alltag im Besten Sinne zu vergessen und alles zuzulassen.
Deshalb lohnt sich ein 400-Kilometer-Ausflug!




Freitag, 25. Mai 2018

KW 21, 2018: Die luserlounge selektiert!

Bild: www.eyeblack.com
(ms/sb) Alter Verwalter, zwei Wochen krank im Bett zu liegen ist echt kein Vergnügen! Klingt zwar erstmal entspannend, ist es aber keineswegs, wenn die einzigen Ausnahmen zum Flachliegen Besuche beim Arzt sind und dessen Wartezimmer so überfüllt ist, dass die Leute vor der Praxis auf den Stufen sitzen. Auch Musik hören wird in diesem Zustand mitunter zur Qual, umso positiver ist es, dass wir auch diesmal wieder eine Selektion der Schönheiten der Woche für Euch parat haben. Mit dabei sind ein paar alte Bekannte, aber auch der ein oder andere Newcomer, den Ihr Euch nicht entgehen lassen solltet.

Lion Sphere
Schon die Single Alice at Once sorgte für gute Laune und das heute erscheinende Debütalbum A Moving Sun knüpft da problemlos an und vermittelt luftig-launige Sommerstimmung. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass das Album belanglos ist - ganz im Gegenteil: Lion Sphere spielen mit den Genres, kombinieren Indie mit Art Rock, Jazz und Soul. Eine interessante Mischung, die sich in keinerlei Schublade stecken lässt und genau deswegen nicht nur unterhält, sondern bei jedem Anhören von Neuem überrascht.



Phela
Viel hat sich getan im Leben von Phela, seit sie ihr Album Seite 24 im Jahr 2015 veröffentlichte: Trennung vom Plattenlabel, das private Glück gefunden, der Umzug von Berlin in die hessische Provinz und in Kürze wird die gebürtige Oberpfälzerin auch noch Mama. Das neue Album, das im Winter auf Teneriffa eingespielt wurde, erscheint im Herbst, heute gibt es mit Unser Lied den ersten Vorgeschmack darauf und Alin Coen ist auch noch mit dabei. Was will man mehr?

Bild: facebook.com/Phela.Offiziell


Therapy?
Ruhig war es geworden um die Nordiren - und zwar im wörtliche Sinne, denn zuletzt veröffentlichten Cairns, McKeegan und Cooper ein Akustik-Album und tourten damit durch Europa. Jetzt geben Therapy? wieder Gas und mit Callow erscheint heute die erste Single (Download only) ihres für Herbst angekündigten 15. Studioalbums Cleave. Die Lyrics sind ja schon mal sehr vielversprechend:
"I don't need your medicine / I don't need anything from you / If you take my demons / You'll take my angels too."


 


Jordan Prince
12 Songs for 12 Friends - so heißt das Debütalbum des US-Amerikaners Jordan Prince, der New Orleans verließ, um in München, der Weltstadt mit Herz seine neue Heimat zu suchen und zu finden. Der Name des Albums ist Programm und macht deutlich, dass es hier sehr persönlich und intim zugeht. Der Künstler lässt sein bisheriges Leben Revue passieren, erinnert sich musikalisch an seine Kindheit, die Sorglosigkeit der Jugend und die nicht immer ganz einfache Suche nach dem richtigen Weg in der Erwachsenenwelt. Eingehüllt wird Princes bisheriges Leben in einen wärmenden Mantel aus Folk, wie man ihn sich bei Dia-Abenden oder am Lagerfeuer wünscht. Schön ist das. Sehr sogar. Ach ja: man beachte die Augustiner-Flasche im Video! Der Mann hat sich offensichtlich schnell in München akklimatisiert.



CHVRCHES
Heute erscheint das neue Album Love Is Dead der Band CHVRCHES. Wer die Band nicht kennt, dem sei gesagt, dass das mit den Majuskeln und dem großen V schon alles richtig ist; hier schläft niemand seinen Rausch auf der Tastatur aus. Lauren, Iain und Martin kommen aus Glasgow, klingen aber nicht nach schottischer Schroffheit und wikingermäßigen Heldensagen. Sie machen Großstadtsynthiepop im großen Stil. Deren großer Vorteil ist das süße Auftreten der Sängerin Lauren, denn das neue Werk hat wenig Überzeugendes zu bieten. Es pläddert eher so daher, möchte epische Momente einfangen, klingt aber viel zu gewollt und überambitioniert. Wenn sie beim Hurricane/Southside spielen, und das womöglich noch tagsüber, fragt man sich zurecht, woher die Stimmung kommen soll. Wenn dann funktioniert der Gutelaunepop in einem basslastigen, dunklen Laden...



Gregor McEwan
Wir haben Euch das aktuelle Album From A To Beginning bereits vorgestellt und sind immer noch sehr angetan. Und nun gibt es ein neues Video von Gregor McEwan zum Titeltrack. Man sollte es genießen, auf Vollbild stellen und laut drehen. Es ist sanft und geschmeidig im Klang. Die Idee zum Bewegtbild ist jedoch ist genial. GIFs sind mittlerweile omnipräsent, super einfach zum selber machen und höchstgradig geeignet zum Kommentieren in den einschlägigen sozialen Netzwerken. Gregor hat die besten aus den 90er-Jahren ausgesucht und sie ins Video gepackt, sodass die Chipmunks Gitarre spielen, die Glücksbärchis Liebe verströmen, man mit Bud Spencer im Chor singen kann und die Cantina Band mal wieder tröten hören... Hach,... die 90er...



Donnerstag, 24. Mai 2018

Welshly Arms - No Place Is Home

(ms) Auf dieses Album haben viele Menschen lange gewartet. Zum Einen die groß gewordene Fanschar, zum Anderen Radiostationen, andere mediale Verwerter und nicht zuletzt die Band selbst. Welshly Arms bringen an diesem Freitag, den 25. Mai, ihr zweites Album mit dem Titel No Place Is Home heraus.
Großer Aufhänger war und ist die Übersingle Legendary, die in diesem Gewandt erstmals auf einem Langspieler erscheint. Vorher gab es unterschiedliche Versionen der Single, wir haben darüber berichtet. 24 Wochen stand der Song in den deutschen Charts, hat Goldstatus erlangt und sicherlich jedem bekannt. Eine Zeit lang gab es im Radio kaum ein Entrinnen. Dabei hat das Lied nicht einmal genervt, wie es bei großer Popmusik schnell mal der Fall sein kann. Und es ist große Popmusik mit Rock- und Bluesallüren. Spricht man, sprechen wir von Popmusik in Verbindung mit Radiospielzeiten, hat das meistens eine abschätzende Note, die sich zwischen die Zeilen schwingt. Doch große Popmusik ist absolut notwendig; im allerbesten Sinne! Man muss sich auch mal berieseln lassen. Das ist am Besten beim Radiohören möglich. Auch ich schalte dann immer einen Popsender ein; hier im Westen ist es WDR2: Infotrainment, Wetter, Stau, Fußball, was man halt im Alltag so braucht.
Genau für dieses Arrangement ist Welshly Arms eine schwungvolle Bereicherung. Sie ergänzen die Rockattitüde sehr geschickt um ein weiteres Element, das ihre Musik so schön leicht zugänglich macht. Die vier Herren haben nämlich zwei feste HintergrundsängerInnen, die Geschwister Bri und Jon Bryant. Sie geben den Liedern Swing, einen berechtigten Hang zum Gospel und viel, viel Energie.
All das sind gute Zutaten, um eine geniale Platte auf dem Markt zu werfen. Und das ist den Musikern aus Cleveland durchaus gelungen. No Place Is Home fährt mit 13 Liedern und einer Gesamtspielzeit von gut 50 Minuten auf.

Foto: Peter Larson
Der Beginn mit Saloon- und Westerncharakter ist schon mal stark: Rockabillygitarre und Gepfeife, als ob es gleich zwischen Babier und Poststation zum Duell kommt. All The Way Up ist ein stimmungsvoller Starter in die Platte, bei dem der Kopf ganz automatisch anfängt zu wippen. Sanctuary ist die eigentlich erste Single aus dem Album, startet mit sanftem Uhhh-Gesang und den festen Stimmen von Getz, Lindemann und Weaver. Die Stärke ist auch hier der großartige Hintergrundchorgesang, das macht schon Laune. So richtig Fahrt nimmt der Song irgendwie nicht auf, das muss er aber auch gar nicht, die einzelnen Elemente sprechen für sich. Die Musik ist echt catchy, es ist also kein Wunder, dass ihre einzelnen Lieder für Kinoteaser oder Serien genutzt werden. Große Rockgesten bekommen auch ihren Platz, zum Beispiel auf How High, das mit schön verzerrten Gitarren spielt und sicherlich zu den stärksten Liedern der Platte zählen darf. Wenn sie uns fragen würden, könnte das auch ausgekoppelt werden! Ruhig können sie auch, obwohl All For Us keine Ballade ist, tut der Track dem Gesamtwerk gut, da es der großen Energie und Power etwas Einhalt gebietet; man will ja nicht den Eindruck erwecken, es sei alles nur großes Popgeschäft, denn Down To The River geht genau dahin wieder zurück. Zunehmend macht der Mix aus gospelähnlichem Gesang im Hintergrund und den sauber ausgespielten Gitarren richtig Bock. Da hatte jemand einfach eine extrem gute Idee, das muss man neidlos anerkennen. Und nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir hier nochmals, dass Legendary ein wirklich toll arrangierter Song ist, all der Erfolg, den er eingeheimst hat, ist absolut gerechtfertigt. Mit den entspannten Akustikgitarren und dem sehr entspannten Sound bietet Wild zum Ende hin nochmals für gut gelungene Abwechslung.

Klar, einige Lieder (X, Hammer, Locked) erwecken schon den Eindruck, dass es sich um Füllmaterial handelt. Doch Welshly Arms sind bestimmt nicht mit dem Anspruch ins Rennen gegangen, dass sie mit jedem Song sich selbst übertreffen wollten, Die Vorschusslorbeeren mussten natürlich befriedigt werden und das tun die Clevelandler in jedem Fall recht erfolgreich. Es ist großer Pop, immer noch. Doch er macht von vorne bis hinten Spaß und das ist gut so.

In diesem Sommer kann man sich davon hier noch live überzeugen lassen:
20.08.18 Bochum, Zeltfestival Ruhr





Mittwoch, 23. Mai 2018

Live: Pfingstopenair in Essen

Foto: luserlounge
(ms) Es war eine Verkettung glücklicher und unglücklicher Umstände, dass sich am Montag eine gutgelaunte Horde auf den Weg nach Essen an die Ruhr begeben hat. Wie jedes Jahr wird dort ein großartiges Umsonst und Draußen veranstaltet: das Pfingstopenair. Bei dem gleichzeitig herrlichen Frühsommerwetter ließ man sich also nicht lumpen, nahm ein tolles Line-Up gerne auf und wuselte sich schon ab dem Hauptbahnhof durch ein großes Gewusel an Menschen. Denn am gleichen Tag haben auch RW Essen RW Oberhausen sich einen heißen Kampf um den Einzug in den DFB-Pokal für die kommende Spielzeit geliefert. Mit einem leckeren Stauder in der Hand pilgerten auch andere gut aussehende Musikfreude über den Campingplatz am Fluss direkt zum Festivalgelände.
Die letzten Lieder von Walking On Rivers haben wir noch mitbekommen, haben barfuß getanzt, eine wirklich gute Band gesehen und uns die Sonne aufs Haupt scheinen lassen: Perfekt!
Neben der großen gibt es von den ehrenamtlichen Organisatoren - die Stadt Essen - noch eine aufgebaute Electro-Bühne. Da haben wir nur zum Schluss ein Mal vorbeigeschaut und sahen uns darin bestätigt, dass dort unser Geschmack nicht bedient war.
Das war jedoch bei Gurr der Fall. Die Wahlberlinerinnen haben am Nachmittag die Besucher gut zum Tanzen gebracht und im Mai einen famosen Vorgeschmack gegeben, wie der Festivalsommer denn so aussehen könnte: Mit Freunden eine gute Zeit haben, musikalisch bestens unterhalten werden und das Leben genießen.
Foto: luserlounge
Das wurde ab 17 Uhr auf die Spitze getrieben, als Fatoni sich die Ehre gab. Unsere Leser wissen ja, dass wir leicht verrückt nach seinen Songs sind. Entsprechend wurde sich dann auch ausgetobt. Herr Schneider hat wieder mal bewiesen, dass der Moshpit nicht den härteren Gangarten zu eigen ist, sondern auch im Rap super funktioniert. Hits wie Gravitationswellen, Lassensiemichkünstlerichbindurch, Das alles ist Kunst, Authentizität oder Kann nicht reden, ich esse haben die Leute nicht still stehen gelassen.
Zum Abkühlen danach gab es (natürlich) freie Wasserstellen und dass die Essensversorgung aufgrund dessen, dass der Eintritt frei ist, nicht so üppig ausfällt (eine miese Falaffeltasche für 5€...), geht dann dennoch irgendwie klar.
Anschließend haben FJØRT zu dritt den Hardcore an dir Ruhr gebracht. Heidewitzka. Mir hat das sehr gefallen. Festivals sind dann halt auch dafür da, dass man sich endlich mal Bands ansehen kann, die bis dato eher an einem vorbeigerauscht sind. Insbesondere das brachiale Bass-Spiel wusste optisch und auditiv zu überzeugen.
Zugegebenermaßen haben wir uns danach bei Skinny Lister und Massendefekt etwas zurück gehalten. Erstere haben jedoch herausragende Stimmung verbreitet. Die Londoner wissen es, wie sie eine Menge in Ekstase versetzen können. Massendefekt haben uns trotz Headlinerstatus eher gelangweilt. Man kann nicht alles haben.
Nach einem letzten Bier an der Ruhr und dem gut funktionierenden Shuttle-Service sind wir dann müde, leicht angetrunken und glücklich wieder unserer Wege gegangen.
Das Pfingstopenair in Essen ist eine großartige Veranstaltung, die ein buntes Publikum anzieht uns sich am Montag sicherlich auch beim Wettergott bedanken darf.

Montag, 21. Mai 2018

Milliarden - Berlin

Bild: www.universal-music.de
(sb) Den Status des Geheimtipps haben Milliarden längst abgelegt, denn zu präsent waren Ben Hartmann und Johannes Aue in den letzten Jahren - sei es als Support der legendären Ton Steine Scherben, auf diversen Festivals (ja, auch auf den ganz großen!) oder auch im TV. Dennoch ist es nicht gerade so, dass die Berliner nun im Radio hoch und runter gespielt wird und das wird hoffentlich auch so bleiben, auch wenn die Band mit ihrem zweiten Album Berlin (VÖ: 01.06.2018 auf Universal) ein Werk raushaut, das abseits des Mainstream geradezu nach Aufmerksamkeit schreit und streckenweise zu begeistern weiß.

Man kann das Album durchaus als Liebeserklärung an Berlin verstehen - allerdings mit sehr viel Wehmut, denn Berlin befindet sich im Umbruch, die Verlierer des Lebens werden immer weiter in die Ecke der Gesellschaft gedrängt, Investoren betreten zunehmend die Bildfläche und reißen alles an sich. Schwierige Zeiten, die die beiden Musiker äußert gelungen in Worte und Melodien verpacken, ohne dabei zynisch oder verbittert zu wirken.

Ja, eine gewisse Wut ist mitunter rauszuhören, aber letztendlich sind es die Schicksale des Einzelnen, von denen Milliarden erzählen. Mal punkig (Rosemarie, Die Toten vom Rosenthaler Platz), mal ruhig (Gänsehautgarantie bei Ultraschall und Ich vermiss Dich!), aber immer authentisch und in einer Sprache, die durchaus gewählt rüberkommt und mit wunderbaren Metaphern glänzt, die aber gar nicht erst versucht, sich auf ein Podest zu hieven. Sehr angenehm und sympathisch.

Bild: www.berliner-zeitung.de
Letztendlich gefallen mir persönlich nur zwei Tracks nicht sonderlich (JaJaJa und Milliarden Milliarden), der Rest reißt mich aber auch nach mehrmaligen Anhören mit, sei es durch textliche Inhalte, ihre Intensität oder auch die Art und Weise, wie die beiden Musiker ihr Anliegen präsentieren. Leider hatte ich bislang nicht das Vergnügen, Milliarden live erleben zu dürfen, aber das kann sich ja ändern, denn Hartmann und Aue werden mit Berlin im Gepäck auf Tour gehen. Hier die Termine, die bislang fix sind:

31.05. Augsburg, Modular Festival
02.06. Nürburgring, Rock am Ring
03.06. Nürnberg, Rock im Park
09.06. Rottershausen, Ab geht die Lutzi
16.06. Gorden, Summer and Beats Open Air
29./30.06. Chemnitz, Kosmonaut Festival
13./14.07. Bersenbrück, Talge Open Air
21.07. Nordholz, Deichbrand Festival
28.07. Schrobenhausen, Noisehausen Festival
08.-12.08. Eschwege, Open Flair Festival
25.08. Magdeburg, Forest Jump Festival
26.09. Bremen, Schlachthof
27.09. Hamburg, Grünspan
28.09. Köln, Gebäude 9
29.09. Münster, Sputnikhalle
03.10. Frankfurt am Main, Batschkapp
04.10. Stuttgart, Wizemann
05.10. Zürich, Bogen F
06.10. Leipzig, Werk 2
11.10. München, Backstage Halle
12.10. Wien, Flex Café
13.10. Nürnberg, Nürnberg Pop Festival
18.10. Berlin, Astra
19.10. Dresden, Scheune
20.10. Magdeburg, Factory




Freitag, 18. Mai 2018

KW 20, 2018: Die luserlounge selektiert!

engagement-global.de
(ms) Diese Rubrik hat in ihrer Einleitung das Flair eines Newsletters ohne selber einer zu sein. Euch hier Geschichten aus dem Arbeits- oder Studierendenleben zu schildern ist langweilig. Das kennt oder kanntet ihr selbst oder werdet es halt noch kennenlernen. Da kommen zwischendurch ja Tage, an denen man leicht genervt, frustriert, angespannt und unkreativ ist. Dann nötigt man sich selbst noch dazu bei der Zusammenkunft zweier Hobbys - schreiben und Musik hören - wöchentlich das lesende Publikum zu unterhalten. Ich hätte nie gedacht, dass Entertainment im weitesten Sinne so eine irre Herausforderung ist. Für wissenswerte Anekdoten aus dem tiefen Musikbusiness sind wir da gar nicht genügend drin, um welche zu erzeugen. Politik und Wirtschaft sind hier nicht unser Metier und dass die AfD doof ist, wissen wir eh alle. Nun gut. Mit nichtssagenden Sätzen auf der Sinnsuche des Einleitungstextes kann man auch einen Einleitungstext schreiben. Aber nein, es ist kein Blindtext! Ab mit der Musik, sonst wird es schlimm hier, ganz schlimm...

Roo Panes
Ach, wie wunderbar dieses Lied anfängt. Diese schönen Hintergrundgeräusche, dann das Klavier, das sich anfangs gar nicht traut, er erklingen. Dann summt eine Stimme, sanft steigt die Gitarre an und dann wird weitergesummt. Gesang. Eine tolle, angenehm tiefe - nicht zu tiefe - Stimme. Unbemerkt stimmt der Bass ein, Hintergrundgesang, später Percussion. Das ist Singer/Songwriter-Folk, wie wir ihn mögen: melodisch und leicht geheimnisvoll. Das ist Roo Panes! Zwei Alben und drei EPs hat er schon veröffentlicht und nun kommt der nächste Streich. Der 29-Jährige Brite bringt am 20. Juli Quiet Man heraus. Der Vorbote My Sweet Refuge ist vielversprechend:



The Sigourney Weavers
Manchmal ist Gitarrenrockmusik genau das, was man braucht. Kompromisslos, energiegeladen, nach vorne treibend. Musik, zu der man gepflegt mindestens ein Bier trinken kann. Töne, die die schönen, warmen Sommertage, die uns jetzt gehäuft erreichen, bereichern. The Sigourney Weavers bringen Euch genau das. Ein toller Bass, eine feste Stimme, herrliche Gitarrenriffs. Demons ist der erste Vorgeschmack auf ihre neue EP Like Frequencies, die am 1. Juni bei Rookie Records erscheinen wird. Das Video ist schon mal ein Augenschmaus! Live wird das auch auf die Bühne gebracht bei folgenden Terminen, ein Besucht lohnt sicherlich:

09.06.18 Weyhe, Jugendhaus Trafo *
10.06.18 Hamburg, Astra Stube *
11.06.18 Karlsruhe, P8 *
12.06.18 Freiburg, White Rabbit *
13.06.18 Passau, Zauberberg *
14.06.18 Sankt Georgen, Fümreif *
15.06.18 München, Glockenbachwerkstatt
16.06.18 Rüsselsheim, School of Rock Festival
* mit Cadet Carter



Imprisoned
Ach, ihr wollt mehr Gitarren? Mehr Bass? Mehr Schlagzeug? Mehr Gebrüll? Ihr wollt musikalisch eins auf die Zwölf? Okay! Haben wir natürlich auch im Angebot mit Imprisoned aus Melbourne. Allein der Bandname klingt schon vertrauenswürdig und macht neugierig, wo die Musiker ihre letzten Jahre so verbracht haben. Klar, im Tonstudio! Nach ihrer LP Hard To Kill erscheint nun in ähnlich hartem Gewand die 7" Slave To Nothing. In diesem Genre der etwas aggressiveren Gangart bringt man so eine Veröffentlichung auch gern auf einem schwarz-goldenem Splattervinyl heraus. Finden wir irgendwie sympathisch. Erscheint am 22. Juni bei Isolation Records!



Oxy Music
Zuletzt müssen wir nochmal ein anderes Genre und einen alten Bekannten erwähnen. Torsun ist wieder da. Das überraschenderweise nicht mit Egotronic, sondern einer neuen Formation, die auf den Namen Oxy Music hört. Der Sound ist ein Mix aus der Art und Weise, wie er zu Beginn mit Egotronic gearbeitet hat: mit Samples. Dazu gesellen sich selbst eingespielte Gitarrenriffs und Beats und eine weitere Stimme am Mikrophon, Sina Synapse. Vier Songs sind schon online und weitere werden sich dazu gesellen. Es ist nicht so treibend wie in seiner Erstformation, nicht so hart. Die Themen sind altbekannt, aber immer wieder schön, sie vertont zu hören. Bitte sehr, bildet Euch eine Meinung: