Donnerstag, 22. März 2018

Editors - Violence

muenchenticket.de
(ms) Sie gehören definitiv zu den Großen der 00er-Jahre-Indie-Hochzeit dazu. Und das vollkommen zurecht. Was haben wir uns nicht zu Munich, Smokers Outside The Hospital Door oder The Racing Rats in den Armen gelegen voller Energie, Gefühl und Ergriffenheit. Na klar, die Rede ist von den wunderbaren Editors. Kennzeichnend war immer schon der druckvolle Klang, der so herrlich ausgefuchst und tiefgehend war. Dazu erstrahlt in jedem Lied die nah ans Herz gehende Stimme von Tom Smith. Er ist nicht nur ein wahnsinnig gut aussehender Kerl, sondern ein ebenso herausragender Sänger, der sein Publikum live allein am Klavier genauso in den Bann ziehen kann wie im vollen Rausch der verstärkten Gitarren. Die studierten Jungs aus Birmingham wussten einfach sehr geschickt, wie man einen Rocksong schreibt, der sich nah an der Perfektion bewegt. Auch die aufkommenden Synthesizer haben dem kein Abbruch getan, so war In This Light And On This Evening mit Hymnen wie Papillon oder Eat Raw Meat = Blood Drool erst gewöhnungsbedürftig, dann genial.
Und dann ist das geschehen, was man nicht erhofft hat. The Weight Of Your Love und das bis dato letzte Album In Dream waren leider nicht mehr so stark. Die Leidenschaft und der laute Druck, der sich nie so angehört aber angefühlt hat, waren nicht mehr da. Klar, einzelne Lieder hatten den ehemaligen Glanz, aber in Gänze war es Material, dass die Band schleichend vergessen ließ.

Bis jetzt!
Denn mit Violence ist den fünf Herren von der Insel ein Brett gelungen.
Die Energie ist zu spüren, die Liebe zur Musik ebenso gepaart mit einer erstaunlichen Aktualität in den Texten ist da. Die Gitarren sind zwar in ihrer klassischen Gestalt weiter in den Hintergrund gerückt, die mitreißenden Momente werden von verzerrten Keyboard und Synthie-Sounds erzeugt und gehen voll auf! Und das lediglich in neun Tracks, die von Leo Abrahams mitproduziert worden sind. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass Blanck Mass ihnen bei den elektronischen Parts geholfen hat. Dieser hat unter anderem beim Kveikur-Album schon mit Sigur Rós gearbeitet. Wenn man nun genau hinhört sind Ähnlichkeiten in einzelnen Takten zu erkennen, wenn weit im Hintergrund purzelnde Percussion durch die Lautsprecher rauschen.
Und wenn Tom Smith behauptet, dass ihnen diese Mischung aus bandeigenem Sound der ersten Alben und dem Hand zu Synthies noch nie so gut gelungen sei wie auf dem neuesten Werk, dann ist es ihm direkt mit dem ersten Hören zu glauben!

Der Opener Cold ist schon sehr klug gemacht. Pochend geht es los, klar die Stimme des Sängers. Ein persönlicher Text, der melancholisch anmuten mag, doch in der Klanggestalt gar nicht so daher kommt, ein schöner Kontrast. Mit Halleluja (So Low) gibt's das erste richtig große und bleibende Ausrufezeichen. Die zweite Single kulminiert in 3:55 so dermaßen viel Energie, dass es kaum auszuhalten ist. Die treibende Akustikgitarre wird im Refrain von heftig verzerrten E-Gitarren abgelöst, dass es nur so scheppert. Das muss bitte ganz laut aufgedreht werden. Man kann sich die Lichtshow, wenn es live zelebriert wird, schon in etwa vorstellen. Der Titeltrack kommt als astreiner Electro-Song um die Ecke und kommt in der zweiten Hälfte erst so richtig in Fahrt. Das macht richtig Bock! Bei Nothingness kann man auch drauf kommen, dass das Lied von SOHN stammt. Und das ist keine negative Kritik. Der Mut, den die Herren haben, sich so vom Sound ihrer ersten Alben zu entfernen, ist beachtenswert. Das heißt ja auch zum Glück immer noch, dass sie live die Klassiker spielen. Magazine ist eine gut gewählte Single, die alles mitbringt, um im großen Pop-Rock-Business durchzustarten. Dies wird noch verbunden mit einem guten politisch-gesellschaftlichen Text. Dass No Sound But The Wind dem einen oder anderen schon bekannt ist, liegt daran, dass er mal in den Twilight-Filmen lief. Nun gut. Mit dem Sechs-Minuten-Brett Belong wird der Hörer sanft aber bestimmt aus dem aktuellen, großartigen Editors-Album geschmissen.

Als langjähriger Fan war ich natürlich neugierig auf die Scheibe, habe allerdings nicht so viel erwartet, da In Dream ziemlich an mir vorbeigerauscht ist. Umso schöner, dass ein altes Feuer wieder entfacht worden ist.
Daher: Auf, auf zur aktuellen Tour!

24.03. - Münster, Halle Münsterland
25.03. - Köln, Palladium
31.03. - Hamburg, Mehr! Theater am Großmarkt
01.04. - Berlin, Tempodrom
02.04. - Leipzig, Haus Auensee
18.04. - Wien, Gasometer
20.04. - München, Tonhalle
21.04. - Zürich, Komplex 457




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