Donnerstag, 28. Dezember 2017

luserlounge goes leserlounge: Metallisierte Welt

Cover: https://www.metal1.info/
(sb) Metal ist jetzt nicht gerade das Genre, das in unserem kleinen Blog die erste Geige spielt, mein heimisches CD-Regal enthält aber doch rund drei Dutzend Alben verschiedener Bands (z.B. Sepultura, Pantera, Hatebreed, Schweisser, Drescher,…) und es gibt immer wieder Phasen, in denen ich gerne darauf zurückgreife. Wirklich eingetaucht in die Welt der Metalheads bin ich dabei nie, eine gewisse Faszination übt sie aber durchaus auf mich aus. Während Metal in all seinen Spielarten hierzulande längst im Mainstream angekommen ist, haben es Metal-Fans und -Musiker in anderen Regionen dieser Welt nicht ganz so leicht und müssen gar um ihr Leben fürchten.

Noch hinter den höchsten Bergen, in den trockensten Wüsten und auf den kleinsten Inseln finden sich ein paar wackere Metalheads, die sich zu Bands zusammengeschlossen haben, Konzerte geben und gemeinsam Metal-Kultur leben. Doch wie fühlt sich ein Black Metaller im sonnigen Kuba und was für Risiken birgt es, in Saudi-Arabien in einer Metal-Band zu spielen? Wie denkt ein Metalhead im von Bürgerkriegen zermürbten Libyen über die Glorifizierung von Gewalt in martialischen Songtexten und was geht eigentlich in der Metal-Szene von Madagaskar? Und ganz allgemein: wie steht es in all diesen Ländern um die gesellschaftliche und politische Akzeptanz dem Metal gegenüber? Ist das Internet eher Fluch oder Segen für die Metal-Community?

Bild: https://www.metal1.info/
Interessante und mitunter auch sehr überraschende Antworten auf diese und noch viele Fragen mehr bietet das Buch Metallisierte Welt von Moritz Grütz, seines Zeichens Chefredakteur der Homepage metal1.info. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es überhaupt erstmal gewesen sein muss, relevante Bands in Bahrain, Saudi-Arabien oder Botswana ausfindig zu machen, doch was die Protagonisten zu erzählen haben, ist allemal lesenswert und weckt im Leser durchaus Bewunderung für den Idealismus, die Musik und die Lebensweise, die die Künstler trotz widriger Umstände an den Tag legen.


Bei uns ist es ja beispielsweise ziemlich easy, an Instrumente, Proberäume oder geeignete Tonstudios zu gelangen – aber mach das mal auf den Malediven, in Syrien oder in Nepal! Es bedarf sehr viel Phantasie, Kreativität und guter Kontakte, um seine Ideen tatsächlich in Musik umzumünzen und genau diese
Bild: https://www.metal1.info/
Leidenschaft ist, die sich wie ein roter Faden durch die mehr als 30 Interviews auf 180 Seiten zieht. Während es in Grönland in erster Linie an der fehlenden Infrastruktur fehlt, plagen die Bands in anderen Ländern ganz andere Sorgen: Auftrittsverbote, Verfolgung, Haftstrafen, körperliche Gewalt – all das gehörte und gehört zum Alltag von Metalheads in anderen Teilen dieser Welt. Schon die Kommunikation mit dem Autor über die Musik stellt in manchen Ländern einen Verstoß gegen bestehende Gesetze dar, in manchen Regionen hält sich hartnäckig die Meinung, Metal sei prinzipiell mit Satanismus gleichzusetzen. Dass das gerade in religiös geprägten Staaten nicht allzu gut ankommt, liegt auf der Hand.

Besonders interessant finde ich die Betrachtung auf die iranische Metal-Szene, da sich aus diesem Land gleich drei Bands zu Wort gemeldet haben und doch recht unterschiedliche Bilder hinsichtlich Freiheiten, Restriktionen und Verboten zeichnen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Bild: https://www.metal1.info/
Metallisierte Welt erscheint am 02.01.2018 im Hirnkost Verlag und sollte Pflichtlektüre für alle sein, die dem Genre nicht so ganz abgeneigt sind. Einziger Kritikpunkt (wenn man das überhaupt so nennen möchte) ist, dass man sich die vorgestellten Bands nicht direkt auch noch anhören kann. Ich habe mir beim Lesen sehnlichst eine beigelegte CD gewünscht, um einen akustischen Eindruck von den Bands gewinnen zu können. Aber insofern kann direkt mal eine Frage vom Beginn des Artikels beantwortet werden: das Internet ist ein Segen, denn wer suchet, der findet.
 
Kryptos (Indien):
 
 

Hamferð (Färöer Inseln):
 


 

 
Belos (Oman):



1 Kommentar:

  1. Hallo! Danke für das positive Feedback. Zur Erklärung, warum wir dem Buch keine CD beigelegt haben: Die Bands sind in erster Linie als Repräsentanten ihres Landes im Buch vertreten - nicht als Bands, auf die gezielt Aufmerksamkeit gerichtet werden soll. So war die Qualität oder der Standard, auf dem die Bands agieren, auch kein Auswahlkriterium - wichtig war einzig und allein, dass sie schon lange Teil der lokalen Szene sind und entsprechend berichten können.

    Natürlich ist es erfreulich, wenn Leute durch das Buch auf die Bands stoßen und an deren Musik gefallen finden - das Beilegen einer CD hätte den Fokus meines Erachtens jedoch zu direkt auf die beteiligten Bands und ihre Musik gelegt - und liest man nicht sowieso ständig überall, die CD wäre von der Zeit überholt? ;)

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