Samstag, 23. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 23: Sich selbst überrraschen!

urbanite.net
(ms) Im Januar wusste ich noch überhaupt nicht, was vom Musikjahr zweitausendundsiebzehn zu erwarten ist. Dass die Wahl zu den Songs und Alben nun doch so unglaublich schwierig wurde, ist umso schöner, denn das verlangt eine intensivere Auseinandersetzung mit den Künstlern und ihren Werken an sich. Dabei ist eine Sache famos: Auf die neue Platte von Portugal. The Man habe ich mich tierisch gefreut und wurde bitter enttäuscht. Mit dem Release von Feel It Still wurde es schon spannend: sehr eingängig aber halt auch sehr geil. Als die Vinyl dann verfügbar war und sich auf dem heimischen Plattenteller drehte, war es schon bitter. Denn die Kings of Portland waren bis dato eine der interessantesten, ausgefeiltesten und unberechenbarste Gruppen, die ich kannte. Nun - spät aber immerhin - erfolgreich, aber das wilde Element ist nicht mehr zu finden. Umso mehr Tiefe, Verspieltheit, Genialität bei der folgenden Auswahl, die ein privat sehr energiegeladenes Jahr begleitet hat:

Alben 2017
Platz 3: Adna - Closure
Begründung: Hier war ich von mir selbst am meisten überrascht. Denn erst spät habe ich wahrgenommen, dass dieses Album mich in voller Länge (gute halbe Stunde) häufig morgens begleitet hat mit seinem feinen Klang, den schönen Melodien und dem herrlichen Gesang von Adna. Es funktioniert als Gesamtkunstwerk und tut sehr gut.



Platz 2: Mine & Fatoni - Alle Liebe Nachträglich
Begründung: Das Album wurde uns etwa zwei, drei Monate vor Veröffentlichung angekündigt. Seitdem kribbelte es in den Fingern, wann es denn endlich zu hören sei. Denn: Fatoni. Begründet sich selbst; und dann halt noch Mine dabei. Dieses Album ist so ausgefeilt, so ungemein klug getextet und breit produziert, dass ich meine Begeisterung darüber auf nervig-euphorische Weise allen Nahestehenden mitgeteilt habe. Großes Ding!



Platz 1: Tall Ships - Impressions
Begründung: Die Band aus Bristol versank bei mir persönlich etwas aus dem Radar, bis das Album angekündigt wurde. Es hat nur neun Songs. Doch diese sind vollgepackt mit Energie, Leidenschaft, musikalischem Können und bedienen in mir eine Sehnsucht, von der ich lange nichts wusste. Der Track Meditations On Loss ist das Herzstück, er sammelt das alles in 3 Minuten und 41 Sekunden. Selten in den letzten Jahren habe ich ein derart mitreißendes Lied gehört. Da die anderen acht Stücke auf dem gleichen Niveau verweilen, ist dieser Platz absolut verdient.
Fader Beigeschmack: Leider haben sie in den letzten Tagen ihre allerletzten Konzerte in Bristol, Leeds und London gespielt. Doch das Erbe ist enorm!



Songs 2017
Platz 3: Sookee - Queere Tiere
Begründung: Sookee war mir persönlich nie so präsent. Ab und an lief mal ein Track von ihr beim ziellosen Verweilen auf YouTube, dann hat mich ihr aktuelles Album Mortem & MakeUp total fasziniert, allen voran dieser Track, von Danger Dan produziert.
Tipp: Die Frau mal live sehen. Es war hochgradig intensiv!



Platz 2: Kettcar - Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)
Begründung: Diese Nachwuchsband aus Hamburg sind für mich das non-plus-ultra. Drei Mal habe ich sie dieses Jahr gesehen, geht im Frühjahr nahtlos weiter. Insgesamt hat es Ich vs. Wir nicht in die Auswahl des Jahres geschafft, dafür dieser kluge und gefühlvolle Song. Das erste Mal gehört, stieß er mir Tränen in die Augen, das erste Mal live, nahm er mir den Atem. Diese Berührpunkte müssen als Begründung reichen. Danke, Kettcar.



Platz 1: Fatoni & Dexter - Das alles ist Kunst
Begründung: Das ist der zweite Moment, in dem ich mich selbst überrasche. Ich höre dieses Lied jedes Mal, wenn ich mich aufs Arbeiten vorbereite (studentischer Nebenjob in der Gastronomie). Die Arbeit mag ich sehr gern, das Team ist top und dieser Song entfacht in mir ein irres Maß an guter Laune. Das war mir lange gar nicht so bewusst, bis ich mir Gedanken machen musste, was ich hier zu schreiben habe. Dieses Ritual zu überdenken und mir zu vergewissern, was ich da mehrmals pro Woche mache, war ausschlaggebender Punkt für diese Wahl. Verdient.



Wünsche für 2018
Es sind zwei kurze: Ich wünsche mir ein neues Album von Kante. Das schwebt seit Jahren in der Luft, ab und an mischen die Hamburger die Gerüchteküche an, um darauf zu hoffen. Außerdem wird Homotopia von Sam Vance-Law eine enorm heiße Platte, die im März erscheint. Ist so.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen