Samstag, 2. Dezember 2017

Adventskalender, Türchen 2: Fettes Brot - Gebäck in the Days


(sb) Stell Dir vor, es ist nicht mehr 1996, sondern 2017, Deine Freundin ist seit über 20 Jahren weg(geblieben) und bräunt sich in der Südsee nicht nur, sondern hat ein neues Leben angefangen, sich weiterentwickelt und findet Deine berufsjugendliche Komik schon lange nicht mehr witzig, sondern eher anstrengend mit Tendenz zur Peinlichkeit. Und nein, sie ist auch nicht mehr allein, Dein Budget hingegen würde es Dir wahrscheinlich erlauben, die ganze Scheißinsel zu kaufen, auf der sie sich aufhält und damit das so bleibt, veröffentlichst Du jetzt ein Livealbum, das nun wirklich nicht sein müsste, obwohl (oder weil?) Du darauf langjährige Weggefährten und den besten deutschen Rapper featurest.

Ihr habt es sicher längst erkannt: es geht hier um Fettes Brot und ihre am 08.12. erscheinende Live-Retrospektive "Gebäck in the Days". Ich möchte gar nicht lange um den heißen Rührteig herumreden: ich musste mich tatsächlich an manchen Stellen zwingen, nicht zu skippen oder gar auszuschalten. Die Brote wirken heutzutage mitunter aus der Zeit gefallen und sind im Bereich der deutschsprachigen Rapmusik im Jahr 2017 schlicht und einfach irrelevant.

Foto: http://www.intro.de
Als Fan der (fast) ersten Stunde schmerzt diese Erkenntnis zwar kurz, doch dieses Album führt dem
Hörer eindrucksvoll vor Augen, dass es fast zwangsläufig schiefgehen muss, wenn Männer Mitte 40 Songs zum Besten geben, die sie mit Anfang 20 geschrieben haben und die genau diese jugendliche Unbeschwertheit thematisieren. Irgendwie gibt einem das das Gefühl, die Künstler seien stehengeblieben, zumal die Witzchen auf der Bühne denen frappierend ähneln, die man auch damals schon auf den Konzerten der Brote hörte.

Was soll ich sagen? Ich hatte eh schon wenig erwartet, aber meine Befürchtungen wurden mehr als bestätigt und so muss ich mich an die wenigen positiven Aspekte klammern, die "Gebäck in the Days" mit sich bringt:

  • Die Auswahl der Gäste ist stark: neben luserlounge-Liebling Fatoni dürfen auch Mighty, Tobi & das Bo, Gaze, DJ Rabauke, Heisses Eisen, BOY und Sven Regener (an der Trompete!) mitwirken. Das hat Stil.
  • Der Sound ist für ein Live-Album absolut herausragend. Klasse Aufnahme, super Balance, das Lautstärken-Verhältnis zwischen Künstlern und Publikum ist ideal.
  • Absolutes Highlight ist das Live-Mashup aus "Können diese Augen lügen" und dem BOY-Kracher "Little Numbers"! Hammer-Track, Ohrwurmpotenzial und, wenn ich ehrlich bin, der einzige Grund, die CD doch nochmal in den Player zu legen.

Der Rest dümpelt so vor sich hin, bei manchen Songs, die man einst witzig fand, ist mittlerweile Fremdschämen angesagt ("Meh' Bier", "Reimheitsgebot", "Frikadelle am Ohr"), selbst "Jein" zündet nicht und auch wenn sie es damals ironisch meinten, so treffen sie mit "Schlecht" den Nagel doch recht zielgerichtet auf den Kopf:

„Ich bin der Günther Strack des Raps, verkacke alle Gags
Statt Frauen zu erregen, errege ich Krebs
Ich trage schlechte Schuhe und ich trage schlechte Caps
Ich putze mir die Zähne nie, höchstens spül' die mal mit Pepsi. (Iiihhh!)
Ich stink' nach Vieh, denn ich dusch' mich nie
Manchmal bohr' ich auch 'n Loch und schütt' mir Milch ins Knie
Ein Witz ohne Worte, daß ist meine Schnute
Und wenn schon, nimm schlechte Attribute nicht Gute
Ich kann es dir ruhig sagen, wär' ich du, würd ich schlagen
Mich ins Gesicht und auch in den Magen
'ne Wasserleiche noch ist gegen mich 'n toller Hecht
Ich bin schlicht und einfach schlecht!



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