Donnerstag, 22. Juni 2017

Ich knie nieder: Tall Ships' Album "Impressions"

Quelle: soundcloud.com
(ms) Diese Geschichte nahm seinen Lauf im Winter vor fünf Jahren. Dort spielten die großen Nada Surf - ich werde sie immer verehren - in Bochum. Der Weg war nicht zu weit, ich war da und genoss einen unvergesslichen Abend. Das lag aber nicht nur den den drei Übersympathen aus New York.
Vier andere spielten dabei die größere Rolle. Sie kommen aus Brighton und nennen sich Tall Ships. Sucht man die Band bei Google, findet man seitenweise große Segelschiffe: logisch. Als Musiknerd erkundigt man sich natürlich, was die Vorband aus dem Königreich so kann und ich fand das Lied mit dem einprägsamen Titel "T = 0". Es ist bis heute eines der wuchtigsten Songs, die ich je gehört habe. Stöbert man bei ihrer Musik ein wenig weiter, denkt man schnell an die Editors, die zu jener Zeit einen ähnlichen Stil verfolgten. Aus Nostalgiegründen legte ich vor kurzem ihr aktuelles Werk "In Dream" nochmal ein und habe mich gewundert, wie wenig es mir gibt. Der Glanz von "Smokers Outside The Hospital Doors" oder "Munich" ist längst verblasst. In diese Lücke rücken Tall Ships ein ohne es sicher je gewollt zu haben. Und - ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster - überstrahlen mit ihrem neuen Album "Impressions" vieles, das die Editors je herausgebracht haben.
Fünf Jahre haben die vier Briten sich Zeit gelassen, um an ihrem zweiten Werk zu schrauben. Jeder Tag war es wert, den sie daran gearbeitet haben. Es sind zwar "nur" neun Songs dabei herausgekommen, die in ihre Momenten hingegen so sehr glänzen, vor Energie strotzen und phasenweise irre nah ans Herz gehen.
Die damalige Vorband habe ich irgendwie zwischendurch aus den Augen und den Ohren verloren, wie es so oft passiert. Anfang des Jahres stolperte ich über die Ankündigung des Zweitlings und die Vorfreude stieg und stieg: Veröffentlichung Ende März, zwei Wochen Lieferzeit, noch mehr Zeit um in die Melodien einzutauchen und das Ergebnis dessen nun endlich in Worte zu fassen. Gut Ding hat Weile.
So sammeln sich auf den neun Stücken Textfragmente, die sich ohne Weiteres eignen, sich auf prominente Stellen am Körper zu tätowieren, man wird es nicht bereuen.
"Lucille" ist so ein herrlich melancholisches Lied über das Ende einer Beziehung und der Protagonist zerbricht beinahe an der anschließenden Einsamkeit. Doch das Herzstück ist "Meditations On Loss". Was für ein Hit, was für ein Song. Es behandelt die Auseinandersetzung mit Versprechen, die einem spirituelle oder religiöse Angebote machen und erinnert inhaltlich an Kettcars Bonmot "Ich mag den Gedanken an etwas zu glauben, doch ich bin nicht gläubig". Die Kraft im Refrain ist kaum auszuhalten und gepaart wird dies mit einem bildgewaltigen Video; es ist ohne Umschweife (und wie hier ja unschwer zu erkennen ist) ein heißer Kandidat meiner Top-5-Song-für-immer. Allein dafür und für den herrlich treibenden Bass lohnt die Anschaffung von "Impressions".
Der Bruch zum Lied danach ist groß, inhaltlich und auch musikalisch. Denn es geht ruhig mit sphärischen Klangwänden und einem langsam pulsierenden Schlagzeug um den Tod, den Verlust eines lieben Menschen, eine bewegende Beerdigung. Enden tut das Album mit einer Hymne auf das Leben, "Day by Day": "'Cos With Only One Life There Is No Room For Regrets."
Ich bin hin und weg, völlig erlegen, seit Langem nicht so gepackt worden von einer Platte. Vielen Dank dafür, Tall Ships!








Dienstag, 20. Juni 2017

Entspannt durch die Hitze mit: Soft Ride

Soft Ride. Foto: Linn Frøkedal.
(ms) "In Städten mit Häfen haben die Menschen noch Hoffnung", sagte einst der von uns sehr geschätzte Bernd Begemann. Und es stimmt: Städte an einem See oder am Meer sogar - oder etwas provinzieller - mit einem Flüsschen bieten unglaublich viel mehr Lebensqualität als jene ohne. Also erscheint es als unglaublich logisch, eben dort die sehr warmen bis heißen Tage in der Freizeit zu verbringen und genießen. Was braucht es noch?! Klar, die richtigen Leute, mit denen man diese Momente vollends genießen kann. Ins kühle Nass zu springen, um sich die lohnenswerte Abkühlung zu gönnen - das funktioniert auch herausragend an künstlich angelegten Kanälen, auch wenn es da mehr geduldet als erlaubt ist: Egal! Die Frage "Wer bringt den Grill mit?" kommt dann ganz von allein und alle sind dem Grillmitbringer extrem dankbar, dass er sich erbarmt hat. Die herumlungernde Meute will immerhin gesättigt werden. Damit haben wir schon die wesentlichen Kriterien für den perfekten Tag.
Fehlt noch was?! Genau!
Die richtige Musik.
Und die kommt in diesem Sommer aus dem hohen Norden, aus Norwegen. Von Soft Ride. Dahinter stecken Arne Hakôn Tjelle und Øystein Braut, die mit ihren je eigenen Bands schon lokal erfolgreich waren, sogar hier mit Kakkmaddafakka auf Tour gewesen sind. Nun haben sie sich zusammengetan und ein brutal entspanntes Album aufgenommen, das auf den Namen "Burgundy" hört. Darauf sammeln sich zehn Tracks, die nicht nur zum Faulenzen in der Sonne anregen, sondern dazu bestimmt sind. Als ob sie genau für diesen Moment kreiert worden sind. Es sind im Wesentlichen Lieder, die Folk, Pop, Country und leicht psychedelische Elemente miteinander vereinen. Es ist ein Soft Ride, ganz gemächlich, ganz wunderbar.
Erste Erfolge haben sie in Oslo und Bergen bereits verzeichnet und in ausverkauften Häusern gespielt. Nun wollen sie die skandinavisch schlagenden Herzen hierzulande erobern. Mit Songs wie "Won't Stop", "Light The Laterns" oder "The Sun In Her Eyes" gelingt es ihnen ohne Komplikationen.
Ja, sie mögen etwas eingängig klingen, doch machen Braut und Tjelle dies zu ihrer Stärke und ziehen die sonnen-trunkene Hörerschaft in ihren Bann: Funktioniert hervorragend!
Es erscheint diesen Freitag bei Apollon Records.
Holt es Euch und genießt weiter den Sommer!



Montag, 19. Juni 2017

Ein Wochenende Eskapismus: Traumzeit Festival 2017

Amander Palmer und Edward Ka-Spel: Herausragend. Foto: luserlounge
(ms) Der Besuch eines Festivals ist auch immer eine persönliche Geschichte und diese wird nicht objektiv ausfallen; zum Glück aller Beteiligten. In den letzten vier Jahren war ich also schon beim Traumzeit Festival im Landschaftspark Nord in Duisburg; eine Stadt, die wegen Stadtteilen wie Marxloh, immer in etwas düsterem Licht erscheint.
An diesem Wochenende im Juni hat nicht nur das Wetter sehr gut mitgespielt, um das Gelände in eine faszinierende Flaniermeile zu verwandeln, sondern auch die zum Teil außergewöhnlich guten Bands und das sehr entspannte Publikum. Dieses wurde bei dieser Ausgabe vom äußerst feinen Händchen der Bookingabteilung so stark angezogen wie in den letzten Jahren kaum. Dafür verantwortlich waren unter anderem die Auftritte von Tom Odell, Milky Chance, Alice Merton, Amander Palmer und Edward Ka-Spel und dem allerletzten Gig der Kilians, die aus dem wenig entfernten Dinslaken kommen. So waren der Samstag und Sonntag ausverkauft. Das freut den Verfasser besonders, der in den letzten beiden Jahren den Eindruck nicht loswurde, dass die Besucherzahlen sinken würden.
Im zweiten Jahr hintereinander wurde nun die Kraftzentrale nicht bespielt und dafür auf dem Cowperplatz eine Bühne installiert, was sich als gute Idee herausstellte, insbesondere bei den höheren Temperaturen draußen zu bleiben. Denn bei einzelnen Gigs in der Gebläsehalle wurde es auch schnell warm.
Änderung in der Organisation und im Booking haben dem Traumzeit Festival ein tolles neues Gesicht verpasst und noch andere Besucherkreise angelockt, die es mit viel Applaus, stillem Zuhören, ausgiebigem Tanz und dem Einlassen auf Unbekanntes zurückgezahlt haben. Namen wie Mario Batkovic, The Lytics, Mammal Hands oder Fererico Albanese sind im Vorhinein sicher nicht allen geläufig gewesen. Da es kaum Überschneidungen der Spielzeiten gab, blieb viel wertvolle Zeit, sich treiben zu lassen und Neues kennenzulernen.
So fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse des Wochenendes zusammen:

  • Wenn der Knappenchor Homberg mit einem geschätzten Durchschnittsalter von 81 aus voller Kehle das Steigerlied singt und dafür ausartenden Applaus bekommen, können Tränen in die Augen steigen.
  • Woher hat Jesper Munk denn diese abgefahren geniale, verrauchte Tom Waits-ähnliche Stimme? Trotz gerissener Seite hat er mit seiner Band und schierem Können zu begeistern gewusst!
  • Absolutes Highlight: Helgi Jonsson und Tina Dico in der Geläsehalle! Schwer für diesen Auftritt Worte zu finden: Gefühlsdicht, fein, laut, perfekt harmonisch...? Alles richtig!
  • Persönlicher Glücksfall: Endlich mal Why? gesehen zu haben. Seit Jahren verfolge ich das Wirken von Yoni Wolf; das neue Album ist auf Platte äußerst schwer zugänglich, live waren sie genial. Sympathisch: Der Bassist trug ein Gleis22-T-Shirt!
  • Von Wegen Lisbeth sind ein übler Mix aus AnnenMayKantereit, Bilderbuch und Anajo. Ist klar, dass das funktioniert, nervt aber brutal!
  • Absolutes Highlight 2: Amander Palmer und Edward Ka-Spel. Ich kannte beide vorher nicht, die Dresden Dolls nur vom Namen her. Was sie zu zweit mit ihrem Violinisten fabriziert haben, ließ die Nackenhaare aufstellen, so düster, phänomenal, erstaunlich war die Performance.
  • Tom Odell bewies live, dass er kein One-Hit-Wonder ("Another Love") ist.
  • The Lytics aus Kanada waren der einzige HipHop-Act auf dem Festival und wussten sehr gut, wie man die Zuhörer in einer Dreiviertelstunde für sich gewinnen kann. Hut ab!
  • Giant Rooks: Dürfen die nach 18 Uhr überhaupt auftreten? Die sind gefühlt ja alle 16 oder 17. Dafür hat der Sänger aber eine extrem reife Stimme und die Freude auf ihren Gesichtern beim vollen Cowperplatz war nicht gespielt, der Auftritt sehr stark!
  • Bukahara: Jeder, der die Band schon mal gesehen hat, weiß was sie können. Der Mix aus Balkan- und arabischem Sound, gepaart mit tanzbarem Folk lässt die Masse eskalieren.
  • Stefan Honig hat mit Freunden sein einziges Solo-Konzert dieses Jahr gespielt, neues Material vorgestellt, sodass die Standing Ovations absolut logisch waren. Absolut sympathischer Typ, der das Spiel auf der Guitarlele zu perfektionieren und die Leute zu unterhalten weiß. Vielstimmiges Mitsingen bei "Golden Circle" und "Those Lost At Sea". Top!
  • Milky Chance boten zwar den Abschluss, doch andere Bands (s.o.) wussten mehr zu begeistern. Außerdem haben die Kasseler stark mit Effekten und Sounds aus der Dose gespielt: haben sie nicht nötig.
Oh man, Traumzeit Festival!
Auch an dem Tag danach bin ich noch ganz aus dem Häuschen und schwelge in den Eindrücken aus dem Industriepark. Die Organisatoren wissen zu überraschen mit den verpflichteten Acts. Und dass es trotz ausverkauft so entspannt vor den Bühnen zugegangen ist, zeigt ein gutes Gespür, was die Besucher wollen. Vielen Dank uns bis nächstes Jahr!

PS: An die etwa 10-Personen-starke Gruppe Anfang/Mitte zwanzig, die öfter schön mit Glitzer geschminkt waren: Vielen Dank, ihr ward super und konntet gut tanzen!

Blick auf die Cowperbühne bei Tom Odell. Foto: luserlounge.
Traumzeit. Festival der anderen Art. Foto: luserlounge.

Mittwoch, 14. Juni 2017

KMFDM - die Legende kehrt zurück!

(sf) "Industrial" klingt zugegebenermaßen nicht sonderlich sexy, aber wenn man die Musik von KMFDM beschreiben möchte, kommt man daran nicht vorbei. Und noch mehr: KMFDM waren und sind genreprägend, verlörpern Industrial wie kaum ein anderer Act und hauchen der Musikrichtung immer wieder neues Leben ein. Seit 1984 ist der Deutsche Sascha Konietzko der Kopf der Band, die sich jedoch ausdrücklich als internationale Gruppierung definiert und nun, 33 Jahre nach Bandgründung, mit der YEAH!-EP wieder zum Rundumschlag ausholt.

Wenn ich (Geburtsjahr 1978) an Rockmusik denke, waren KMFDM eigentlich immer da, wenn auch nie so, dass ich mir da was gekauft hätte. Zu Beginn waren es vor allem die Remixes der Band, die meine Aufmerksam auf sich zogen: White Zombie, Living Colour, Metallica, Rammstein und viele andere profitierten von der Kreativität des Ensembles, doch auch der eigene Output wurde zunehmend interessant für meine Ohren und wusste zu gefallen. Nichtsdestotrotz verlor ich KMFDM irgendwann komplett aus den Augen, von der zwischenzeitlichen Trennung (1999 - 2002) und Reunion erfuhr ich erst bei der Recherche für diesen Artikel, ebenso fand ich heraus, dass ich in der Zwischenzeit einige Songs der Band gehört hatte (und geil fand), von denen ich gar nicht wusste, dass sie von KMFDM sind. Wieder was gelernt...


Copyright: earMUSIC / Franz Schepers
Und nun also die YEAH!-EP mit zwei neuen Songs, zwei Remixes und einer Überarbeitung des 2002er-Tracks "Attak". Als ich die Ankündigung der EP im luserlounge-Postfach entdeckte war sofort klar: das Ding muss her, da müssen die Kollegen darauf verzichten! Was soll ich sagen? Der Ego-Trip hat sich ja mal sowas von gelohnt!

Wenn man eine gewisse Affinität zu Industrial hat, fesselt einen der erste Track "Hell Yeah" praktisch ab der ersten Sekunde, wobei ich direkt nachschieben möchte, dass die "Lord of the Lost"-Version (Track 3) die "Album Version" aber mal gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz easy in den Schatten stellt. Hallelujah, was ein Brett!

"Freak Flag", gesungen von Lucia Cifarelli, fällt dagegen leicht aber, ist aber als Hymne für alle Freaks, Außenseiter und Einzelgänger dennoch sehr hörenswert und äußerst markant.

Nicht zu vergessen ist das ikonische Coverartwork, das von Aidan Hughes (auch als BRUTE! bekannt) gestaltet wurde und nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtwerkes wiedergibt, das zur Albumveröffentlichung im August enthüllt werden wird.

Wer KMFDM dieses Jahr live sehen möchte, dem seien diese Termine ans Herz gelegt:



10.08.2017 Brutal Assault Festival (CZ)
12.08.2017 M’Era Luna Festival (GER)
05.09.2017 Newcastle – Think Thank (UK)
06.09.2017 Glasgow – St. Lukes (UK)
07.09.2017 Manchester – Ruby Lounge (UK)
08.09.2017 Birmingham – O2 Institute (UK)
09.09.2017 London – O2 Academy Islington (UK)
10.09.2017 Bristol – Fleece (UK)
 

 

Freitag, 9. Juni 2017

Rock in Vienna - Der Montag

Die Toten Hosen auf der Donauinsel mit großer Lichtshow. Foto: luserlounge
(ms) Das Rock In Vienna ist die österreichische Ausgabe der etwas künstlich hochgezogenen und aus dem Boden gestampften Festivals Rockavaria (München) und Rock im Revier (Gelsenkirchen). Die letztgenannten liefen in ihren ersten beiden Jahren so unverschämt gut, dass sie 2017 nicht mehr stattfanden. Schon vor zwei Jahren sickerten Berichte an die Öffentlichkeit, dass der Veranstalter, die DEAG, auf einem großen Schuldenberg nach der Verpflichtung von Metallica sitzt, die für zwei Gigs fast 7 Millionen Dollar sehen wollten und wohl auch sahen.
Auf der Donauinsel, im grünen Herzen Wiens, wurde das Festival jedoch dieses Jahr am langen Pfingstwochenende fortgesetzt und die Bookingabteilung hat einiges von Rock am Ring bzw. Rock im Park geholt. Wo letztes Wochenende Silbermond, Kings of Leon oder Macklemore gespielt haben, traten in den letzten Jahren tatsächlich Kiss und Rammstein auf. Eine klare Rückwärtsbewegung von ca. 50.000 Tagesgästen auf 15.000. Nur Die Toten Hosen ließen am Montag gut 25.000 Menschen zur einzigen Bühne am Wasser pilgern. Wir waren auch da.

Zur Organisation: Diese hatte einige Vor- und Nachteile. So konnte man gegen 15 Uhr relativ entspannt das Gelände durch einen zentralen Eingang betreten. Wer früh da war, kam zeitig durch, ob es später Engpässe gab: Keine Ahnung. Es gab ausreichend zu Essen und Trinken, jedoch für zünftige Preise: Ein großes Bier für 5€ plus Pfand ließ kurz stocken, aber was will man machen?! Die Sonne brannte und grillte die gut gelaunten Zuschauer, dafür gab es freie Trinkwasserstellen: Gute Angelegenheit. Diese waren jedoch direkt an den einzigen sanitären Anlagen angebracht. Das hieß: Später, als es schon voll war, mussten alle in die gleiche Richtung, um kurz Wasser zu lassen. Dieser massive Andrang hat genervt, da es hinter dem Klo-Einlass zügig und entspannt zur Sache ging.
Entspannt konnte man auch während der größeren Bands am Abend immer noch problemlos in die dritte oder vierte Reihe schlendern. Das hab ich vorher auf anderen Festivals noch nie erlebt. Wiener Eigenart und Freundlichkeit oder der entsprechenden Leere geschuldet?

Zur Musik: Zugegeben, von den ersten beiden Bands - The Living End und Clutch - haben wir nichts mitbekommen, da wir zwei bier- und redselige Humoristen aus der Steiermark getroffen haben und uns ein wenig verquatscht haben.
Los ging es für uns also mit Marteria und wir hatten Bock. Nur war es erstaunlich wie wenig Leute vor der Bühne standen. Diesen Eindruck konnte man Marten aus den Augen ablesen, der dafür mit einem feinen Best-Of diejenigen belohnt hat, die in der Sonne schwitzten. Und nicht nur Arnim Teutoburg-Weiß ließ es sich nehmen für einen Song zu featuren, Campino tanzte bei den letzten 20 Sekunden auch noch mit auf der Bühne. Es war wie ein kleines Klassentreffen dreier großer deutscher Bands in Wien. Dass Marteria den Leuten, die vorne standen dennoch eine gute Zeit verschaffen wollte, hat er umgesetzt und die Menge in Bewegung gesetzt.
Weiter ging es mit den Beatsteaks. Die sind auch nach über 20 Jahren Bandgeschichte nicht kaputt zu kriegen und lieferten einen astreinen Gig ab: Hut ab! Währenddessen haben wir der Wiener Jugend gezeigt, wie man friedlich und ausgelassen Pogo tanzt. Neben "Let Me In", "Summer", "Jane Became Insane" oder dem Evergreen "I Don't Care As Long As You Sing" spielten sie auch Neues vom im September erscheinenden Album "Yours". Läuft bei denen!
Den Abschluss und Besuchermagnet bildeten Die Toten Hosen. Zu einer riesen Lichtshow betraten die Punksenioren die Bühne und lieferten eine einstudierte Show ab. Mit zwei Stunden hatten sie eine doppelt so lange Spielzeit wie Marteria und die Beatsteaks jeweils und ritten durch die eigene Discographie bis zum aktuellen Album. Es gab politische Ansagen und ein paar Plattitüden. Diese ließen ab einem bestimmten Punk langweilen, da es im reinen Stadionrock mündete. Eine Band, die man als Musikliebhaber und Festivalgänger eventuell live gesehen haben muss, ein Mal reicht jedoch.

So endete ein heißer, kostspieliger Tag mit einer entspannten Heimfahrt, schweren Beinen und heiseren Kehlen.
Den Wienerinnen und Wienern sei zu wünschen, dass das Festival in den kommenden Jahren modifiziert stattfinden mag, falls die Veranstalter noch Geld haben.

Dienstag, 6. Juni 2017

Lola Marsh - Rosen aus Israel

(sf) LOLA MARSH aus Tel Aviv gehören zu den spannendsten Newcomern des Jahres, denn dank ihrer Stimme fällt Yael Shoshana Cohen in jene Kategorie von Sängerinnen, die ein Publikum augenblicklich in ihren Bann ziehen kann. Schon 2016 entdeckten viele diese Ausnahmestimme auf der Debüt-EP “You’re Mine“, womit das Duo, dessen zweite Hälfte auf den Namen Gil Landau hört, bereits zu einem der Indie/Pop/Folk-Geheimtipps des vergangenen Jahres avancierte. Ihr Debütalbum “Remember Roses” erscheint am 09.06. und wir haben schonmal reingehört.

Angekündigt von ihrer neuen Single “Wishing Girl“, einer sommerlichen Hymne, die von einer extrem ansteckenden Melodie und lässigem Pfeifen getragen wird, gelingt es den beiden Künstlern aus Israel auf Albumlänge, nicht nur reifer und inspirierter zu klingen, sondern sich zugleich von zu dominanten Einflüssen oder Referenzen - sei es nun Bon Iver oder Fleet Foxes, Nick Drake oder Sufjan Stevens - frei zu machen. Entstanden ist so der perfekte Soundtrack für den beginnenden Sommer: Das von ihnen beiden geschriebene “Remember Roses“ – schon der Titel ist ein Trip in die eigene Vergangenheit, denn diese Rosen entstammen aus dem Rosengarten, den es früher im Elternhaus  der Sängerin gab – ist vor allem lässig, romantisch, dezent nostalgisch und zudem ziemlich sweet. Es ist ein Album, in dessen 11 Songs es immer wieder um Freundschaft und Liebe, aber auch um die eigenen Ängste geht, die es beim Heranwachsen auch mal zu bezwingen galt.

Wie schlüssig der Erstling klingt, ist dabei ganz klar der einzigartigen Chemie zwischen Yael und Gil geschuldet: Dass sie extrem vertraut wirken, verwundert schon weniger, wenn man bedenkt, dass die beiden früher Mal ein Paar waren: „Die gemeinsame Arbeit war schon immer eine der wichtigsten Inspirationsquellen für uns“, sagen LOLA MARSH. Es ist eine wirklich einzigartige Chemie, eine gelebte Harmonie, die sich ganz direkt auf die Harmonien und Melodien in der Musik zu übertragen scheint, auf die eingängigen Refrains und Arrangements, die “Remember Roses“ so spielerisch-schön wirken lassen. Auch bereits veröffentlichte Tracks wie “You’re Mine“ oder “Sirens“ reihen sich perfekt in  die Gesamtheit des Debütalbums ein, womit LOLA MARSH eindrucksvoll belegen, wie sehr sie als Künstler in den letzten Jahren gereift sind.

Indem sie eine extrem breite Stilpalette präsentieren und trotz aller Leichtigkeit nie den nötigen Tiefgang vermissen lassen, hat ihr Songwriting oftmals etwas Episches – als ob die Songs für Kinofilme geschrieben wären, und wir als Zuhörer in der Traumwelt eines Films sitzen, durch den uns die wendige Stimme von Yael Shoshana Cohen, die übrigens problemlos als Penelope Cruz-Double durchgehen würde, führt. Inmitten der verträumten Atmosphäre finden sich echte Hitkandidaten (“Morning Bells“ mit seiner unwiderstehlichen Melodie), und insgesamt oszilliert der Erstling zwischen nächtlichen Balladen (“The Wind“) und massiveren, vertonten Achterbahnfahrten (wie ihrem persönlichen Lieblingstrack “She’s A Rainbow“, der von Moody Blues’ “Nights In White Satin“ inspiriert ist).

„Die vielen Farben von ‘Remember Roses’ passen einfach perfekt zu uns“, sagen Yael und Gil wie aus einem Mund. Sieht ganz danach aus, als sei für den orchestralen Folk-Pop von LOLA MARSH in diesem Frühling die perfekte Blütezeit gekommen – dabei werden die Blüten uns gewiss noch länger begleiten als bloß bis zum nächsten Winter...  

Tourdaten:
11.08.2017   Feldkirch - Poolbar Festival
23.10.2017   Berlin – Heimathafen
25.10.2017   Bielefled – Forum
26.10.2017   Hamburg – Knust
27.10.2017   Köln – Stadtgarten
28.10.2017   München – Manic Street Parade Festival
 
 
 
 

Samstag, 3. Juni 2017

Sivert Høyem - Live at Acropolis

Neid an alle, die da waren. Foto: Afroditi Zagana
(ms) Livealben sind immer ein zweischneidiges Schwert, die oft einen bitteren Beigeschmack haben. Denn allzu häufig versprühen sie den Eindruck, dass hier schnell ein Best-Of zusammengebastelt wurde, um die Einnahmekasse etwas aufzustocken. Und mindestens der Best-Of-Charakter kann kaum geleugnet werden. Wenn man das als Musiker nun nicht intendiert, was ist dann der Antrieb, ein Livealbum zu veröffentlichen oder sogar mit DVD zu versehen?!
Sivert Høyem hat mehrere sehr gute Gründe genau das zu tun.
Erstens ist er ein verdammt guter Musiker mit einer Stimme, die jeden Mann und jede Frau im Nu zum Schmachten bringt (der Verfasser schließt sich dabei ein).
Zweitens ist er seit Jahren im Geschäft, erst mit Madrugada und seit Jahren auch Solo.
Doch drittens ist der entscheidende Punkt: Er hat sich für sein Live-Album, das kommenden Freitag erscheinen wird, eine Location ausgesucht, wo einige seiner Kollegen sicher neidisch drauf sind. Es ist keine normale Halle, kein Theater im klassischen Sinn (oder eben doch?!), nein: Es ist die Akropolis in Athen!
Allein die Erlaubnis zu bekommen, dort zwei Konzerte vor insgesamt 10.000 Menschen zu spielen ist nicht ohne weiteres zu bekommen. Zudem ist er Schwede und brauchte die entsprechende Unterstützung vor Ort. Die hat er sich über Jahre fleißig aufgebaut, sodass beide Gigs ausverkauft waren.



Wenn man nun einen kleinen Eindruck von der Umgebung und der Kulisse hat (siehe Video), wird der Hörer noch schneller in den Bann dieser faszinierenden Performance gerissen. Streicher haben den opulenten Høyem-Sound auf eine noch dichtere Ebene gehoben.
In seinen Ansagen hört man zudem eine wahre und innige Freude darüber, diese beiden Konzerte spielen zu dürfen. Dabei begibt er sich auf eine Reise durch die eigene Discographie, da er zur hörbaren Begeisterung vieler Zuschauer auch einige Madrugada-Songs spielt. Doch auch die grandiosen Lieder seiner letzten Solo-Platte "Lioness" kommen nicht zu kurz, sodass der Best-Of-Charakter tatsächlich erfüllt wird.
Bei einer Live-Aufnahme spielt der Ton natürlich nochmal eine ganz eigene, wichtige Rolle und man kann vor den Mischern und anderen Zuständigen nur den Hut ziehen: Klasse gemacht!
Zu empfehlen ist es sicherlich, dieses Album draußen laut bei einem guten Wein oder einem herrlichen Bier zu genießen. Dafür wurde es aufgezeichnet!


Dienstag, 30. Mai 2017

Ein Abgesang auf den Sommerhit

Quelle: theoriginaljath.files.wordpress.com
(ms) Die Temperaturen steigen. Und das ist gut so. Es folgt kein Jammern über Hitze, Schwüle, Sommerregen, zu viele Menschen am See, die Tierkadaver auf den Grill hauen. Alles okay, alles super.
Der Sommer, der uns unmittelbar bevor steht, glänzt jährlich mit einem ganz anderen Phänomen, über das es sich wirklich lohnt sich aufzuregen. Wir kommen ganz ohne Umschweife zum Punkt: Es handelt sich um den sogenannten Sommerhit! Das Wort klingt schon böse, dahinter verbirgt sich jedoch ein noch tieferer Abgrund. Ein Abgrund der Musik, der Qualität, des Geschmacks und der Pseudogutenlaune. Denn der Sommer ist ja die Jahreszeit der guten Laune. Oder etwa nicht?! Klar, Vitamin D trägt schon dazu bei, doch bei 10°C und Regen oder Minusgraden und Schnee kann ich auch herrlich gut gelaunt sein; dafür muss nicht zwingend im Juli die Sonne scheinen.
Nun stammt der Verfasser aus einer Gegend, die traditionell vom Westdeutschen Rundfunk beschallt wird. Deren zweiter Sender läuft ab und an, beim Kochen, Zähneputzen oder zur Bundesligakonferenz. Keine Ahnung, ob es deren böse Absicht war, seit Wochen jedoch läuft da in Heavy Rotation "Despacito" von Luis Fonsi featuring Daddy Yankee und es erfüllt wesentliche Kriterien seit der Erosrammazottisierung in den 90er Jahren: 1.) Das Lied ist in einer südeuropäischen Sprache gesungen (portugiesisch, spanisch?), 2.) Ein blechernder, billiger Beat dudelt im Hintergrund, 3.) Dazu eine locker daherkommende Gitarre, 4.) Das Video zeigt schöne, tanzende Menschen in erotischer Pose, 5.) Es nervt tierisch.
Leider wird auch noch ein sechster Punkt erfüllt: Das Bewegtbildmaterial suggeriert in einigen Ausschnitten, dass es einen Mittanztanz gibt. Die Folgekosten von Macarena.
Es gibt so viel schöne, fröhliche Musik. Und das muss nicht immer Reggae oder Dancehall sein. Warum suchen die großen Radiosender sich jedes Jahr einen so schlimmen Song aus, der dann hoch- und runtergedudelt wird? So viel kann ich gar nicht saufen, um das gut zu finden. Noch schlimmer: Soetwas bleibt meist als Ohrwurm hängen.

Hier ein Vorschlag, der auch Mittanzpotential hat aber etwas mehr Klasse:

Freitag, 26. Mai 2017

Dreamcar - No Doubt meets AFI


(sf) Was hat man zu erwarten, wenn sich einige Mitglieder von NO DOUBT (die Älteren unter Euch werden sich erinnern: „Don’t Speak“, "Just A Girl" und so…) und der Sänger von AFI zusammentun, um miteinander zu musizieren? Der Begriff „Supergroup“ geistert bei solchen Konstellationen in der Musikpresse immer ziemlich zügig durch den Raum, aber wird das Quartett dieser Bezeichnung auch nur ansatzweise gerecht? War NO DOUBT nicht in erster Linie Gwen Stefani, deren Schaffen auf Solopfaden einfach nur als grausam zu bezeichnen ist und wo man froh ist, dass man von der seit längerer Zeit nicht mehr musikalisch belästigt wird? Oder standen die Herren Kanal, Dumont und Young völlig zu Unrecht lange im Schatten ihrer Sängerin?

Klar ist: im Hintergrund befinden sich die drei Musiker nachwievor, denn mit dem charismatischen Frontmann Davey Havok (AFI, Blaqk Audio, XTRMST) ist die Leaderrolle doch recht eindeutig besetzt, Überraschungen gibt es aber dennoch reichlich. Doch dazu später mehr…

Die Frühphase einer Band hat stets etwas sehr Romantisches. Die ersten musikalischen Schritte sind meist von einem Gefühl der Unschuld, von Optimismus und allgemeiner Verwunderung geprägt. Im Sommer 2014 begannen die No Doubt-Mitglieder Tony Kanal (Bass), Tom Dumont (Gitarre) and Adrian Young (Schlagzeug) zusammen mit Sänger Davey Havok Songs zu schreiben und Demos aufzunehmen. Ohne einer Menschenseele (mit Ausnahme ihrer Lebensgefährtinnen) etwas davon erzählen, verzogen sich die vier Musik klammheimlich in einen winzigen Proberaum in Los Angeles und schraubten gemeinsam jenes gemeinsame Vehikel zusammen, das nun unter dem Namen DREAMCAR an den Start geht.
 

 
Dumont erinnert sich: „Es hat mich an die Anfangszeit von No Doubt erinnert, als wir in einer Garage in Orange County gejammt haben. Es war dasselbe Gefühl von Freiheit - ohne Label, ohne Manager, ohne Agent und ohne Roadies“.

„Eineinhalb Jahre lang waren es nur wir vier, und wir machten Musik“, ergänzt Kanal. „Wir hatten die Chance, wieder eine ganz neue Band zu sein. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Wir machten nur Musik um des Musikmachen Willens.“

Als Havok die ersten vier Demos hörte, war er sofort Feuer und Flamme. Der Sound versetzte ihn in jene Zeit zurück, als von der New Romatic-Bewegung fasziniert war. „Es war sehr lustig, denn die Songs griffen einen Aspekt meiner kreativen Inspiration und musikalischen Sozialisation auf, der so direkt noch nie zuvor aufgegriffen worden war“, gibt Havok zu. „Einige der bedeutsamsten musikalischen Momente in meinem Leben bescherten mir die ersten Kassetten, die ich mir selbst kaufte, von Duran Duran und Culture Club.“  

Insofern ist es kein Wunder (und da sind wir bei den vorhin angekündigten Überraschungen), dass das Debütalbum Vollgas auf der New Wave-Schiene abfährt, die man bei der Bandbesetzung sicher nicht erwartet hatte. Die schimmernden Gitarren-Licks, der perkussive Slap-Bass, die bombastischen Drums und die verträumte Dancefloor-Seligkeit im unterkühlten Neonlicht sind Dreamcars Hommage an das Jahrzehnt von Boy George und „Back To The Future“, betrachtet durch das Kaleidoskop von jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich Musikkreation und Fanbindung.

Schon der Bandname bringt die Ambitionen der Vier auf den Punkt. „Dreamcar kündet von Nostalgie, doch genau, wie es sich der Vergangenheit zuwendet, so sehr geht der Blick auch in Richtung Gegenwert und Zukunft”, erklärt Havok. „Der Name spiegelt Hoffnungen, Ambitionen und den Wunsch wieder, das Unerreichbare zu erreichen. Es wäre toll, wenn die Songs das gleich täten.“

Aber tun sie das? Die erste Single „Kill For Candy” begeistert schon beim ersten Hören mit überschwänglicher Energie und bewusst zuckersüßen Refrain. „Meine Texte sind immer von großer Ehrlichkeit“, erklärt Havok. „Dieser hier handelt möglicherweise von der gefährlichen und ungesunden Sucht nach den süßen Dingen des Lebens.“

Das Album pendelt zwischen nicht ganz salonfähigen Spoken-Word-Passagen im Stile von Frankie Goes To Hollywood (wie z.B. bei dem Song „On The Charts“) und zarter Sehnsucht (wie bei dem Synthesizer-umspülten „Slip On The Moon“, auf dem Havok fleht: „Just look for me, I will look for you“). „Born To Lie“ steigert sich von einer gehauchten Strophe zu einem großen, hymnischen Refrain, der Opener „After I Confess“ kombiniert hypnotischen Gesang mit luftigen Soundlandschaften. „‘After I Confess‘ bringt die Soundfarbe der Band auf den Punkt und sagt: ‘DAS ist Dreamcar’”, so Young. „Es war der erste Song, den Davey eingesungen hat.“    

Man merkt der Band ihren Enthusiasmus förmlich an, die Freiheit, das Losgelöstsein von musikalischen Zwängen. Natürlich muss einem das Ergebnis nicht zwingend gefallen und wenn man auf Rockmusik steht, wird man vermutlich enttäuscht sein.

Wenn man jedoch gerne The Killers und Ähnliches hört, dann ist man hier genau richtig, denn die Pop-Attitüde von DREAMCAR ist nicht nur radiotauglich (wird dort aber mit Sicherheit nie gespielt werden), sondern zu keiner Zeit aufdringlich und dennoch unterhaltsam.

Ich gebe es ehrlich zu: ich hätte mir das Album nie gekauft, bin aber froh, es nun zu haben, denn im Hintergrund läuft das Ding wahnsinnig gut durch und bietet durchaus den ein oder anderen Mitsing-Ohrwurm à la „Kill For Candy“.


 
 

Donnerstag, 25. Mai 2017

Nils Wülker -ON

Lässig in der Badewanne, da zerknittert der Anzug nicht. Foto: David Königsmann.
(ms) Bevor gleich jemand fragt, warum wir denn ein Jazz Album (im weitesten Sinne) rezensieren, muss für diese Musikrichtung dringend eine Lanze gebrochen werden. Jazz war in seinem Ursprung die (!) Musik der Schwarzen in den Staaten und bestach durch ungeheure Energie, Swing und purem Spaß am Spiel. Wer weiß, woran es lag: in den letzten Jahrzehnten hat der Jazz eine unfaire Degradierung erfahren und ist nur Fahrstuhlmusik verkommen, zum Gedudel nebenbei, wenn man in einem schönen Café sitzt. Der Groove, das Magische an der Musik ging verloren. Jeder Musiker, der schon mal Jazz gespielt hat (der Verfasser gehört dazu) weiß, wie unglaublich viel Spaß das ganze macht - und man(n) kann gut Frauen damit beeindrucken.
Beim Lanzebrechen ganz vorne dabei ist seit Jahren auch Nils Wülker, der kommenden Freitag über Warner sein neuntes Album veröffentlicht. Mit diversen Preisen im Gepäck dürfen die Erwartungen ruhig hoch sein. Diesen umgeht Wülker jedoch auf äußerst geschickter Weise, indem er den Musikstil mit dem Produzententeam The Krauts (u.a. Marteria) modifiziert. Dabei herausgekommen sind 12 Lieder, die alle zusammen auf den Namen "ON" hören.
Wichtig: Wer dieses Album nur nebenbei hört, ist - pardon - ein Banause, diese zwölf Stücke sind zum entdecken da. Wülker produzierte selbst und spielt Trompete, die er als seine Stimme nutzt und es macht Spaß seinem Gesang zu lauschen.
Beispiel "Trust": Ein smoofer, lässiger Sound lässt das Album mit leichten Percussions beginnen, die einsetzende Trompete verströmt den Charakter der Improvisation. Nach gut einer Minute setzt ein extrem entspannter Beat ein, der mit seinem satten Bass zum Kopfnicken einlädt. Zum Ende hin überrascht ein Bruch mit temporeichem Schlagwerg und Synthie-Klängen. Man ist geneigt, kurz aufzuschrecken: Das hier hat nichts mit Easy Listening zu tun, das ist einfach nur stark! So mündet ein ruhig gestarteter Song in einem mittelgroßen Feuerwerk.
Beispiel "Never Left It All": Als Ergänzung hat sich Wülker zwei Sänger mit an Board geholt. Der eine ist der Halbwiener Rob Summerfield, der bei diesem Stück singt, welches der Verfasser vor Kurzem schon im Radio zu hören bekam - von wegen Nischenmusik. Die Produktion von The Krauts macht sich hier stark bemerkbar, Jazz wird etwas entrückt und so entsteht hier ein lässiger Sommersong, in dem der soulige Gesang sich mit der Trompete herrlich abwechselt.
Beispiel "Five Arches": Stakkato-Trompete gepaart mit einem satten, geilen Bass-Schlagzeug-Arrangement schraubt das Niveau und die Qualität der Platte weiter nach oben und macht richtig Laune und man fühlt sich vom Anfangsgenre weit weg gerissen.
Beispiel "Change": Niemand geringeres als Marteria hat hier seine Stimme und seinen Text beigesteuert. Dieses krasse Aushängeschild braucht Nils Wülker eigentlich nicht, es fügt sich aber nahtlos in das Gesamtwerk ein und könnte ebenso gut ins neue Solo-Album des Rostockers einfließen.
Also, liebe Leser: Öffnet eure musikalischen Sphären und lasst dieses Album ertönen!






Hier spielt er demnächst live:

03.06.2017 - Hamburg, Elbjazz Festival
22.06.2017 - Ulm, Ulmer Zelt
12.08.2017 - Kassel, Kulturzelt
15.09.2017 - Regensburg, Leerer Beutel
16.09.2017 - Dresden, Tonne
17.09.2017 - Karlsruhe, Tollhaus
18.09.2017 - München, Ampere
19.09.2017 - Stuttgart, Bix
20.09.2017 - Münster, Hot Jazz Club
21.09.2017 - Herford, Musikkontor
22.09.2017 - Hannover, Jazz Club
23.09.2017 - Berlin, Quasimodo
18.10.2017 - Coesfeld, Theater Coesfeld
01.11.2017 - Köln, Stadtgarten
02.11.2017 - Hamburg, Mojo Club
04.11.2017 - Nordhausen, Nordhäuser Jazzfest, Theater
05.11.2017 - Darmstadt, Centralstation

Mittwoch, 17. Mai 2017

Husten - Husten

Husten: Moses Schneider, Tobias Friedrich, Gisbert zu Knyphausen.
(ms) Kleine Selbstbeweihräucherung: Wir haben mal wieder den geilen Scheiß für Euch gefunden!
Es kulminieren: Moses Schneider, Gisbert zu Knyphausen und Tobias Fiedrich.
Friedrich: Eigentlich nur als Der Dünne Mann bekannt und Teil der Band Viktoriapark.
Schneider: Der (!) Produzent von Tocotronic, AnnenMayKantereit, Turbostaat und Olli Schulz.
Knyphausen: Muss nicht weiter vorgestellt werden und bringt dieses Jahr sein drittes Soloalbum raus. Der Dritte kennt den Zweiten über Olli Schulz. Der Zweite den Ersten über die Band Viktoriapark.
So viel ist klar, so viel Verwirrung herrscht vor.
Was machen die nun gemeinsam?
Musik, ist klar. Aber nicht als richtige Band, sondern eher als Projekt und dafür haben sie sich den prägnanten Namen "Husten" gegeben. Alle schleppen in ihren Biographien als Musiker Ideen, Sounds, Riffs und eine gute Melodie mit sich herum, die es nie auf eine Platte oder ein Lied geschafft haben. Das sollte jedem Musiker bekannt vorkommen. So haben sie sich zusammengetan mit ihren Koffern an Ideen und Schnipseln. Dabei ist eine 5-Track-EP mit knapp 14 Minuten Spielzeit herausgekommen. Die drei werden nicht live zusammen auftreten, dafür jedes Jahr im Mai eine weitere EP veröffentlichen: Starke Sache!
Zu hören gibt es schrammelig-treibende Gitarren, Schlagzeuge und Bässe. Trotz, dass man Knyphausens Stimme hört, ist zu erkennen, dass es keine Solo-Angelegenheit ist, da sich der Sound grundsätzlich von seinem eigenen unterscheidet. Dieser ist in der Nähe früher 00er Indie-Veröffentlichungen anzusiedeln: "Rumhängen mit den geilen Typen bis einer heult" halt. Trotz (oder wegen?) des Projekt-Charakters hat der ein oder andere Refrain enormes Ohrwurmpotential. Auf "Sowas von da" wird der Textbausteinanlass ad absurdum oder halt zur Perfektion geführt, wie man will. Bei der Zeile "Wir können es nicht beweisen, aber wir waren da" muss man unumgänglich an Kindheitsausflüge in Schullandheime denken, in denen an den Lattenrosten beim Hochbett hundertfach "Ich war hier" eingeritzt wurde.
Zu "Liebe Kaputt" gibt es sogar ein kleines Video.
Textlich-inhaltlich geht es nicht besonders tief, daher ist es schön und macht jetzt schon neugierig wie sie auf der zweiten EP im Mai 2018 klingen werden!
Auch dann sicherlich wieder gepresst und unter die Leute gebracht von Kapitän Platte aus Bielefeld.


Dienstag, 16. Mai 2017

Egotronic - Keine Argumente!

Egotronic 2017. Foto: Bastian Bochinksi
(ms) Egotronic veröffentlichen diesen Freitag auf ihrem Stammlabel Audiolith ihr - Sage und Schreibe - achtes Album! Was vor elf Jahren als Homemade-Electroprojekt begonnen hat, ist nun endlich eine komplette Transformation zum Punkrock. In "Die Natur ist dein Feind" haben Torsun und Co. sich bereits ausprobiert, waren rockiger mit Indie-Allüren. Das Best-Of "Egotronic C'est Moi" mit der unmissverständlichen Botschaft im Titel, dass es eigentlich nur um Torsun geht, rundete die Entwicklung ab. Nun also "Keine Argumente!" Mit Ausrufezeichen im Titel.
Entgegen anderer Songschreiber hat Torsun letztens in der taz deutlich gemacht, dass er für die Lyrics auf der neuen Scheibe keinen Raum für Interpretationen zulassen will. Das ist durchaus zu hören und wir betrachten das mal Track by Track:

1. Deutschland, Arschloch, Fick dich (feat. The Very Best Vegan Bacon)
Den Song gibt es schon seit längerer Zeit auf YouTube zu sehen, jedoch mit Altersfreigabe. So wie der kompakte Titel schon suggerieren mag, wird das alte Egotronic-Sujet Deutschlandhass aufs Beste bedient mit einem catchy Mitsingrefrain. Guter, neugierig machender Einstieg!
2. Scheiße bleibt Scheiße (feat. Alles Scheisze)
Die Wortwahl bleibt also sehr derbe in den Titel und Texten und ist eines der Lieder mit Gastbeteiligung. Das endlose Gebrüll lässt zu fragen übrig: Ist es Zorn, Wut oder wirklich maßloser Hass auf Deutschland? Dennoch ist es ein ordentliches Punk-Brett, welches theoretisch schon auf einem Vorgänger zu hören gewesen sein könnte.
3. Hallo Provinz
Auch dieses Lied ist aus der letzten Audiolith-Compilation bekannt mit schlagendem Bewegtbildmaterial, wobei für die Albumversion ein wenig am Sound gefeilt wurde. Das Großwerden im Niemandsland von Torsun ist bekannt und wird hier erneut behandelt. Die Provinz als das ultimativ bieder-schlechte Bild des Deutschseins. Wer's mag, okay. Überraschen tut es nicht.
4. Odenwald (feat. Johnny Weltraum & Rod Gonzalez)
Auch bekannt. Diesmal von einer 7" im alten Bandsound. Rod Gonzalez, ja der Bassist der Ärzte fungierte nicht nur als Produzent sondern steuerte hier einen leicht kitschig klingenden Gitarrenriff bei. Selten blöde Zeile: "Weil ich Kontakt zu Menschen brauch', hab' ich mir 'nen PC gekauft."
5. Komm wir zieh'n ans Meer
Argh, gleiches Heimatthema zum dritten Mal hintereinander. Das hätte nicht sein gemusst. Es ist inhaltlich flach und macht langsam den Anschein, als ob man sich hier im Kreis drehen würde und die Platte mal eben so fertiggestellt wurde.
6. Die Elbe oder ein Flugzeug (feat. Johnny Weltraum)
Von der gleichen 7" bekannt wie Odenwald. Mit PEGIDA als Thema (gibt's die noch?) wurde soundmäßig hier der Wandel vom Synthesizer-Projekt zur vollständigen Punkband mustergültig vollzogen: Starker Sound!
7. Die neue Hammerhead
Unter-2-Minuten-Punk-Tradition mit "Ahhhahhh"-Chören.
8. Die Angst vor dem Schmerz
Auf dem achten Track beim achten Album ist die textliche Stagnation vollendet. Wird es hier etwa langweilig und belanglos? Bei dieser Nummer offensichtlich schon!
9. Deine Melodie (feat. Jeans Team)
Die Nostalgie eines 43-jährigen Antideutschen. Puh, langsam wird es echt übel. Die Stärke vom Beginn hat deutlich nachgelassen!
10. Ich weiß die Welt riecht streng nach Pisse
Was soll der doofe Titel für das kleine Liebeslied? Herrlich blöde Zeile: "Die Welt geht vor die Hunde - oder Katzen" - Autsch!
11. An die Wand (feat. Emilie Krawall (Frau Mansmann))
Trotz Feature: Skip!
12. Ihr wollt Arbeit, ich will schlafen
Das Album schleppt sich müde dem Ende entgegen, indem es nochmal auf die Leistungsgesellschaft einprügelt.

Kurz und knapp: Aktuelle Egotronic-Themen werden derzeit wesentlich besser von der Antilopen Gang oder Labelkollegen Waving The Guns besetzt, zwar im Rap aber immerhin!
Die Platte ist unterer Durchschnitt. Das ist schade, da der Verfasser seit Jahren großer Fan ist. Neben der normalen Album-Version ist auch eine im alten Soundgewand zu ergattern.
Ein Trostpflaster bleibt, dass Torsun mit Band auf den Bühnen dieses Landes seine Livequalitäten unter Beweis stellen wird und an jedem Abend ein Feuerwerk abbrennen werden. Ja, darauf kann man sich freuen!

19.05. Berlin - Festsaal Kreuzberg
25.05. Hamburg - Molotow (Der Sky auf Erden)
26.05. Essen - Hotel Shanghai
27.05. Kiel - Campus Festival Contre Le Racisme
03.06. Nürnberg - Rock im Park Festival
04.06. Nürburgring - Rock am Ring Festival
08.06. Hannover - Café Glocksee
09.06. Magdeburg - Feuerwache
10.06. Chemnitz - Smash your Attitude Festival
23.06. Kassel - Goldgrube
24.06. Bad Aibling - Indiebase Festival
29.06. Negenharrie - Off the Radar Festival (Egotronic LoFi)
30.06. Wiesbaden - Youth Culture Festival
01.07. Trier - Summer of Love A Festival
15.07. Reutlingen - Kurt Festival
21.07. Cuxhaven - Deichbrand Festival
29.07. Herzebrock - Herzerockt Festival
12.08. Eschwege - Open Flair Festival
14.09. Rostock - Peter Weiss Haus
15.09. Flensburg - Volksbad
16.09. Münster - Gleis 22
22.09. Dresden - Scheune
06.10. Osnabrück - Kleine Freiheit
07.10. Bonn - Bla
20.10. Amberg - Laut gegen Rechts
21.10. Augsburg - Soho Stage
02.11. Würzburg - Cairo
04.11. Basel - Hirscheneck
16.11. Jena - Kassablanca
17.11. Konstanz - Kula
18.11. Heidelberg - Karlstorbahnhof






Sonntag, 14. Mai 2017

Fatoni und Juse Ju sind im Modus!



(sf) Fatoni gilt als einer der besten Rapper Deutschlands und er hat sich Verstärkung mitgebracht, nämlich den besten Freestyler von Kirchheim unter Teck: Juse Ju. Was soll da schon schiefgehen? Nach zahlreichen ausverkauften Shows auf seiner Tour (z. B. 800 Zuschauer in Hamburg und Berlin) war die Kulisse im Club Vaudeville in Lindau zwar etwas enttäuschend, das Konzert aber umso energiegeladener und intimer.

Statt in der großen Halle befand sich die Bühne (die man nur mit Wohlwollen überhaupt  als solche bezeichnen konnte) nämlich im Vorraum, wo sonst nur Merch-Stand, Bar und Garderobe Platz finden, und auch die recht überschaubare Zuschauerzahl kurz vor Konzertbeginn machte nicht unbedingt Mut. Dennoch gelingt es dem großartigen Club Vaudeville samt Team immer wieder, Konzerte zu Erlebnissen werden zu lassen – eine tolle Location, super entspannte Leute und eine politische Ausrichtung, mit der ich mich bestens identifizieren kann.

Als Juse Ju dann kurz nach 21 Uhr die Bühne betrat, hatten sich zwar nur rund 120 Leute
eingefunden, aber die waren heiß und hatten richtig Bock auf eine geile Show – und Juse Ju lieferte. Das Intro war noch ein bisschen holprig (Oh Gott, diese Dance-Moves…), aber spätestens mit dem folgenden Freestyle war die Barriere überwunden und das Ding lief. Klar, Juse Ju ist jetzt kein ganz Unbekannter, wenn man sich zumindest ansatzweise mit deutschem Hip Hop beschäftigt, aber es ist schon schade, dass irgendwelche Vollproleten zigtausend Alben verkaufen und Künstler mit Aussagen und wahnsinnig viel Talent weitestgehend unbeachtet bleiben. Aber wie soll sich das auch ändern, wenn man Freunde hat wie Juse Ju, die ihn Samy Deluxe als „besten Freestyle Rapper von Kirchheim unter Teck“ vorstellen? Vielen Dank auch. So wird man natürlich nur sehr bedingt ernst genommen.

Aber egal: sausympathischer Kerl, klasse Texte, super Rapstil und ein paar potentielle Hits am Start, die noch Großes erwarten lassen.

Tja, und dann war es Zeit für Fatoni. Meine beiden luserlounge-Kollegen hatten ihn auch bereits auf dieser Tour gesehen und waren schwerstens beeindruckt, ich also dementsprechend sehr gespannt. Inzwischen war die Zuschauerzahl auf 200 angestiegen und bereits als der Mann mit dem Hut samt DJ V. Raeter auf die Bühne kam, war die Stimmung bestens. Was der Münchner Rapper dann in den folgenden gut 1 ½ Stunden ablieferte, war schon extrem geil: die Highlights seines Erfolgsalbums „Yo, Picasso!“ mischten sich mit dem aktuellen „Modus“-Mixtape, Fatoni-Klassiker und geniale Freestyle-Einlagen rundeten das Erlebnis ab. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Fatoni beim ersten Blick auf das spärlich vorhandene Publikum etwas enttäuscht war, aber Zuschauer und Künstler gelang es zusammen, sich in einen Rausch zu steigern, die das Konzert zu etwas Besonderem machten. Besonders sympathisch war dabei die ständige Kommunikation miteinander, was aufgrund der sehr beengten Verhältnisse natürlich ideal funktionierte. Gleich mehrmals wagte Fatoni den Schritt von der Bühne zu den Zuschauern und spätestens als Juse Ju als Unterstützung zurückkehrte, verwandelte sich der Club Vaudeville in einen kleinen aber feinen Hexenkessel, in dem keiner mehr ruhig stehen bleiben konnte, sondern sich einfach tanzender- und hüpfenderweise bewegen musste.



Das obligatorische Stagediving fiel zwar diesmal leider mangels Raum- und Bühnenhöhe aus, der Meister ließ es sich jedoch nicht nehmen, als Mittelpunkt einer Wall of Death zu fungieren – durchaus gewagt in einem Club, der v.a. für seine zahlreichen Punk- und Metalkonzerte bekannt ist. Aber Fatoni kann eh alles und so entkam der Chuck Norris des deutschen Raps auch dieser Gefahr und entließ die durchgeschwitzte Meute mit „Schlafentzug“ in die Nacht.

Ach ja, wie schrieb der Kollege ms neulich so schön über Fatoni: Er. Ist. Der. Beste. Rapper. Deutschlands.




Freitag, 12. Mai 2017

Paisley - Britischer Pop und Rock aus Dresden


(sf) Manchmal kommt man echt wie die Jungfrau zum Kinde. Ehrlich gesagt hatte ich bis Anfang der Woche noch nie etwas von der Band PAISLEY gehört, dann kam seitens der PR-Agentur der Link zum neuen Video, das wir sehr gerne geteilt haben. Bei guter und enthusiastischer Musik wie dieser ist so eine Entscheidung schnell gefällt, doch in der Folge überschlugen sich die Ereignisse.

Teil 1 lest Ihr heute, denn spontan stand uns die Band aus Dresden für ein Interview zur Verfügung. Doch damit nicht genug, denn in den folgenden Tagen haben wir noch eine Überraschung für Euch (und uns!) parat, die es in sich hat.

Jetzt aber erstmal viel Spaß mit PAISLEY.

 
Luserlounge: Hallo Jungs! Schön, dass Ihr Euch Zeit für ein Interview mit uns nehmt. Habt Ihr die Proben für die bevorstehende Tour schon beendet? Was dürfen wir von Euch erwarten?

David: Gerne. Wir sind natürlich nach wie vor am Proben, um neue Songs zu schreiben und natürlich auch, um alle bestehenden Songs perfekt auf dem Kasten zu haben. Was ihr erwarten dürft? Eine Band die richtig Bock hat, ein super tightes Set und eine gehörige Prise Rock´n´Roll!

 
Luserlounge: Ihr kommt ja aus Dresden, klingt aber schon verdammt britisch. Liam, Du kannst das vermutlich am Besten aufklären, oder?

Liam: Gründe für unseren britischen Sound sind natürlich zum Einen unsere
britischen Vorbilder, primär aber meine Herkunft: da mein Vater aus Manchester kommt, ist Englisch eine meiner beiden Muttersprachen.

 
Luserlounge: Eure Tour führt Euch quer durch die Republik und Ihr macht dabei auch Station in zahlreichen renommierten Clubs wie der Moritzbastei in Leipzig, dem Cord in München oder der Groovestation in Eurer Heimatstadt Dresden. Auf der anderen Seite steht aber auch vermeintliche Provinz wie Pfarrkirchen, Isny (für mich ja das räumlich naheste Konzert…) oder Hameln. Wie geht Ihr bei der Auswahl der Städte vor, in denen Ihr Halt macht?

David: Für die Auswahl der Städte und Venues ist größtenteils unsere Booking-Agentur verantwortlich. Generell gilt aber natürlich trotzdem, dass wir alles mitnehmen, solange die Eckdaten (zum Beispiel der Veranstaltungsrahmen) passen.
 

Foto: Goes Right Through Photography
Luserlounge: Klar, Schubladendenken ist unschön, aber: wie beschreibt Ihr denn selber Euren Musikstil? Gibts Vorbilder? Hattet Ihr auch schon die Möglichkeit, mit denen auf der Bühne zu stehen oder zumindest den Backstage-Raum zu teilen?

David: Das ist mitunter eine der naheliegendsten, gleichzeitig aber auch anspruchsvollsten Interviewfragen. Unseren eigenen Stil zu beschreiben fällt schwer – am besten funktioniert das in der Tat über die musikalischen Vorbilder. Zusammenfassend würde ich sagen: Eine Mischung aus Oasis, The Libertines und den Arctic Monkeys. Noch hat sich der Traum, mit einer dieser Bands mal die Bühne zu teilen oder Backstage zu sein, nicht erfüllt – wir arbeiten dran J

 
Luserlounge: Paisley gibts ja nun auch schon seit ein paar Jahren. Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt und wie waren Eure ersten Schritte im Musik-Business?

David: Liam und ich kennen uns, seit wir 5 sind. Schon in der Jugend spielten wir gemeinsam in verschiedenen Bands. Zum Studieren zogen wir dann beide nach Dresden und fassten dort den Entschluss, eine neue Band zu gründen. Mittels Castings kamen dann nach und nach Fabian und Luis hinzu, womit die Band komplett war. Die erste Bandphase bestand aus vielen  Songwritingsessions, um bei den ersten Auftritten auch etwas bieten zu können. Anfang 2014 ergab sich dann recht spontan eine erste Auftrittsmöglichkeit in einem Dresdner Club. Es folgten viele verschiedene Auftritte in Dresden und Umgebung. Anfang 2015 wurden UNDRESSED Records auf uns aufmerksam, die kurz danach dann auch unsere erste EP veröffentlichten.

 
Luserlounge: Am 25.05. erscheint Euer neues Album. Erzählt doch bitte ein bisschen was dazu.

David: Das Album als unser erster “großer” musikalischer Output wird die letzten 3 Jahre widerspiegeln. Neben brandneuen Songs sind auch ein paar unserer Evergreens darauf enthalten. Die Aufnahmen fanden im Winter 2016 in den Echolux-Studios unter der Leitung von Magnus Wichmann aus den Lala-Studios in Leipzig statt. Ansonsten möchte ich hier noch nicht zu viel verraten, ihr werdet es dann hören. Wir sind super gespannt auf die Reaktionen!


Luserlounge: Super, vielen Dank. Wir wünschen Euch viel Erfolg fürs Album, massenhaft Spaß auf Tour und freuen uns bereits darauf, von Euren Erlebnissen unterwegs zu berichten.