Montag, 20. November 2017

Waving The Guns, Haszcara, Cheddar Mike & MDMH im Nr. z.P., Bielefeld!

Waving the Guns. Quelle: backspin.de
(ms) Die Antifa-AG der Uni Bielefeld feierte Geburtstag am Samstag: 20 Jahre! Das musste natürlich anständig zelebriert werden; wir sind Zeugen dessen, dass es auch sauber umgesetzt worden ist. Im sehr schönen Club Nr. z.P., in dem nun anscheinend auch die Lüftung funktioniert, luden sie musikalische Gäste auf die Bühne ein, die einen punchlinestarken Abend abzuliefern. Verantwortlich dafür waren: MDMH, Cheddar Mike, Haszcara und Waving the Guns.
Da die alle miteinander verbandelt sind, haben die ersten beiden die Sause eröffnet und das sprachgewaltig zu vielen Beats von Doctor Damage (WTG). Die erst noch etwas zurückhaltende Crowd kam schnell auf Betriebstemperatur und spätestens bei Haszcara waren alle dabei. Die Rapperin aus Göttingen hat nicht nur Songs aus ihrer Roter Riese-EP zum besten gegeben, sondern auch andere Perlen, die zum mitsingen animierten (Kein Problem, kein Problem...).
Richtig heiß wurde es schließlich, als Admiral Adonis und Milli Dance - wie immer maskiert - die Bühne betraten. Waving The Guns scheinen mittlerweile einen so guten Bekanntheitswert erreicht zu haben, um den Club auszuverkaufen. Ohne Umschweife: Es gab Hits, Hits, Hits! Dabei hatten sie merklich Probleme mit den Geschicken an den Turntables. Ein paar wenige Lieder wurden auf anderen Beats als vorgesehen formvollendet; das schmälerte jedoch nicht die anhaltend gute Stimmung auf und vor der Bühne. Und spätestens seit Samstagabend ist klar, dass Gartenzaun so ein massiv geiler Song ist, dass der Verfasser am Tag danach immer noch keine passenden Worte dafür findet. Die 200 Gäste haben es mit viel und lautem Applaus honoriert: vollkommen zurecht!
Waving The Guns live: ein absolutes Brett!





Freitag, 17. November 2017

KW 46, 2017: Die luserlounge selektiert

Quelle: youtube.com
(ms/sb) Das Musikgeschäft ist nicht nur unsere Leidenschaft, sondern ermöglicht es uns auch über viele Kontakte über sie zu berichten. Nun sind wir Festival-Veteranen, die im Sommer nicht am Mittelmeer-Strand, sondern auf einem schlammigen Acker in der Provinz ausharren, schlimmes Dosenbier trinken und uns mehrere Tage am Stück wirklich schlecht ernähren. Ich für meinen Teil bin kommendes Jahr zum achten Mal auf dem wunderbaren Open Flair Festival in Eschwege. Letztens haben wir schon angemerkt, ob die Bekanntgabe erster Bands Anfang November sinnvoll ist. Es schleicht sich der Eindruck ein, dass dies immer früher im Jahr geschieht. Nun haben die Organisatoren am Mittwoch nachgelegt: Kraftklub, Marteria, Cypriss Hill, Antilopen Gang, Gloria und andere. Drei Dinge dazu: 1.) Mit den Beatsteaks, Kraftklub und Marteria sind die gleichen Bands wie 2015 dabei. Das klingt erstaunlich einfallslos. Man kann nur hoffen, dass noch eine weitere große, gitarrenlastige Band gebucht wird, sonst drehen sie sich im Kreis. Aber klar, die drei sind absolut erfolgreich, ziehen viele Leute an und sind ein Verkaufsgarant. Damit sind wir bei 2.) Das Open Flair Festival hat wahrlich keinerlei Probleme, Tickets loszuwerden. Durch eine treue Fangemeinde haben sie in den letzten Jahren an den ersten Tagen nach dem jeweiligen Durchgang schon mehrere tausend Tickets fürs kommende Jahr verkauft. Und das erstaunliche: Das OF expandiert nicht. Das ist also kein Argument, so früh die richtig großen Namen bekannt zu geben. Nun steht die Agentur K.O.K.S. nicht nur hinter dem Booking vom OF, sondern auch hinter dem Rocco Del Schlacko und dem Taubertal Festival, die alle am gleichen Wochenende stattfinden. Deren Vorverkauf ist auch beachtlich rege im Gang; sie hätten sicherlich problemlos einen Monat warten können. Welch Vertragsverhandlungen, Gespräche, Zusagen und Zugeständnisse hinter den Kulissen jedoch so ablaufen, das wissen wir auch nicht. 3.) Angenommen, Kraftklub, Beatsteaks und Marteria sind die drei Headliner für das Open Flair für das kommende Jahr, wo liegt mit der frühen Bekanntgabe der Thrill in den folgenden Bestätigungswellen? Da muss halt echt was kommen an kleinen oder mittelgroßen Bands, dass es spannend bleibt. Nun gut, das Open Flair besticht halt auch durch viele, tolle andere Programmpunkte: Walking Acts, Kleinkunst, Kinderprogramm, Fußballtunier, Gottesdienst etc etc pp. Nicht umsonst haben sie sich selbst den Slogan "Mit Headliner wäre es ein ganz geiles Festival" (o.ä.) gegeben. Ironie geht immer.

Hier noch schnell ein paar Neuigkeiten:

Fettes Brot
Gut, Neuigkeiten und Fettes Brot kann man 2017 nicht wirklich in einen Satz packen. Dennoch sind sie umtriebig, veröffentlichen am 8. Dezember ihr neuestes Live-Album "Gebäck in the Days - Live in Hamburg". Darauf enthalten ist selbstredend auch der Klassiker Nordish by Nature. Hier sogar in Originalbesetzung. Kann man mal machen (haben auch schon mal gut beim Open Flair gefeuert):




Amanda Mair
Oh, lieber Herbst, du hast eine Künstlerin hinzugewonnen, die dir einen Soundtrack schreibt. Nicht inhaltlich, sondern atmosphärisch. Amanda Mair kommt aus Schweden (okay, wir sind sofort Fan) und mache sphärische Synthie-Pop-Musik. Heute erscheint ihre EP "To The Moon". Die internationale Presse hat sie zu vorherigen Releases schon in den Himmel gelobt, zur Single inklusive Video könnt ihr euch eine eigene Meinung verschaffen:




Morrissey
Der alte Mann geht ja prinzipiell immer, Quantensprünge sollte man ihm von ihm aber nicht mehr erwarten. Klingt wie die Vorgängeralben, hat sicher bemerkenswerte Texte und eine unterstützenswerte Grundeinstellung, aber musikalisch tritt der Mozzer seit Jahren auf der Stelle. Schade eigentlich, weil ich ihn seit Smiths-Zeiten super finde, aber zuletzt klingt halt leider alles sehr ähnlich. Insofern macht man mit dem Kauf von "Low In High School" nichts falsch, könnte aber auch einfach nochmal "You Are The Quarry" oder "Ringleader Of The Tormentors" anhören.




Anna Ternheim
luserlounge-Liebling, großartige Musikerin, derzeit auf Tour und jetzt auch noch ein neues (Mini-)Album. "All The Way To Rio" heißt das gute Stück, beinhaltet ein paar Perlen ("Keep Me In The Dark"!), zündet aber nicht wie gewohnt und lässt einen wehmütig an die Zeiten zurückdenken, als der CD-Player gerne auch mal ne Woche nur mit Ternheim-Scheiben befüllt wurde. Für Sammler ein Muss, ansonsten sollte man eher auf die ersten beiden Alben zurückgreifen.



Simen Lyngroth
Wir bleiben in Skandinavien, wechseln aber nach Norwegen. Dort veröffentlicht Symen Lyngroth sein Debütalbum "Take All The Land" und verzaubert damit. Tolles Songwriting, atmosphärisch aufgenommen und von Lyngroths zarter und bewegender Stimme getragen, ist dieses Album mehr als nur ein Geheimtipp.



Donnerstag, 16. November 2017

Johnny Katharsis & Leipziger Schule - Elefanten


 
(sb) Obacht, liebe Luser, jetzt wird's psychologisch-künstlerisch: Katharsis griechisch κάθαρσις „Reinigung“) bezeichnet in der Psychologie die Hypothese, dass das Ausleben innerer Konflikte und verdrängter Emotionen zu einer Reduktion dieser Konflikte und Gefühle führt. Vornehmlich wird von Katharsis gesprochen, wenn durch das Ausleben von Aggressionen, wie das Schlagen auf einen Sandsack, eine Reduktion negativer Emotionen (Ärger, Wut) erzielt werden soll. Die Leipziger Schule hingegen ist eine Strömung der modernen Malerei der 1970er bis 1980er Jahre, die von Leipziger Malern geprägt wurde.
 

Was das nun hier zu suchen hat?
 

Der Leipziger Rapper Johnny Katharsis veröffentlichte kürzlich mit seiner Band Leipziger Schule das Album „Elefanten“, das ich Euch hier vorstellen möchte. Ich muss Euch ehrlich gestehen, dass ich von dem Künstler bis zu seiner Nachricht bei Facebook noch nie gehört hatte, doch als dann das Päckchen mit Vinyl, CD, Poster und sonstigen Gimmicks in der Casa Luserlounge eintraf, war das Interesse sofort geweckt.
 

Bild: https://twitter.com/katharsis369
Und hey, wie gut ist das denn bitte? Es ist eine Schande, dass man deutschsprachigen Sprechgesang immer noch viel zu oft mit irgendwelchen Prolo-Rappern gleichsetzt, wo es doch intelligente Künstler gibt, die durch Wortwitz, Flow und insgesamt sehr breitgefächerte Musikalität bestechen und überzeugen. Ob das nun Freestyle-Gott Roger Rekless ist, der nebenher auch als Hardcore-Sänger bei GWLT ordentlich aufdreht, Fatoni (zuletzt gigantisch mit Mine) oder Fiva (immer noch mit JRBB auf Tour) – der deutschsprachige Hip Hop lebt und ist vielfältig wie selten zuvor.
 

Doch zurück von München nach Leipzig: „Elefanten“ ist nur einer von zahlreichen Releases, die Johnny Katharsis in diesem Jahr rausgehauen hat, aber meines Erachtens der beste; Spotify sei Dank kann man das ja heutzutage ganz gut und zügig vergleichen.

 
Textlich passt sich Johnny sehr gerne der Definition seines Nachnamens an und mäandert durch die heutige Gesellschaft, drückt den Daumen in die Wunde der Ungerechtigkeiten und beobachtet seine Umwelt ganz genau. Dabei verzichtet er auf das Oberlehrerhafte, sondern nimmt den Hörer bei der Hand und führt ihn durch seine Umgebung. Sehr angenehm, sehr unaufgeregt und genau deswegen so hörenswert und nachvollziehbar. 

Meine Lieblingstracks auf „Elefanten“: Welt retten, Fußballplatz und ganz besonders Nina.
 

 
 
 

Samstag, 11. November 2017

KW 45, 2017: Die luserlounge selektiert

Quelle: twitter.com
(ms) Die Klimakonferenz in Bonn startete diese Woche. Was für ein enorm wichtiges Ereignis! Wenn man von Umwelt spricht, ist das schnell schwer zu fassen, da es einerseits so fern, kompliziert und doch einfach ist. Und es betrifft den einzelnen meist nur indirekt und dann wieder direkt, wenn der nächste Urlaub auf den Malediven halt nicht stattfindet, da es die Inseln nicht mehr gibt. Man darf nur hoffen, dass die Verantwortlichen vor Ort sich zusammenreißen und etwas Gzustande bringen.
So: Ein bisschen Politik muss ja auch mal sein.
Andererseits: Einige Festivals haben dieser Tage schon die ersten Namen für das kommende Jahr verlauten lassen, das wird ja auch immer früher. Als Dauergast beim Open Flair, freue ich mich jedoch gewaltig, dass Fatoni und Drangsal bestätigt worden sind. Klar, die Beatsteaks sind auch immer ein gern gesehener Gast, doch mittlerweile auch Dauergast. Die Toten Hosen spielen überall, die Gorillaz kommen zu Rock am Ring und im Park, genauso wie Kettcar (noch keinen Headliner-Slot!).
Was dieser Tage Neues aus den Boxen tönen kann, haben wir für euch gesammelt!

WhoMadeWho
Wir müssen ja bekennen, dass wir vom Astrid-Lindgen-Syndrom auch getroffen sind. Einige schwedische Musiker und insbesondere Musikerinnen (Anna von Hausswolff, Anna Ternheim) haben uns voll im Griff. Um ein wenig dreist zu sein, kann man eventuell behaupten, dass man Schweden-Dinge auch auf Dänemark anwenden kann, Skandinavien halt. Aus Dänemark kommen bekanntlich WhoMadeWho. Und die wiederum veröffentlichen im Januar ihr neues, sechstes Album Through The Walls. Damit holen sie ein wenig 80s-Sound und Indie-Pop aus dem Norden nach überall. Der erste Vorgeschmack, Dynasty, klingt schon mal toll. Bald dann auch hierzulande live:
25.02.2018 - Zürich, Plaza
27.02.2018 - Köln, Stollwerck
28.02.2018 - München, Technikum
01.03.2018 - Nürnberg, Z Bau
02.03.2018 - Berlin, Festsaal Kreuzberg
03.03.2018 - Hamburg, Mojo



Kelela
Die ZEIT hat Kelela schon in die höchsten Höhen gelobt. Und große Besprechungen, die aus dem Bereich Pop und R&B kommen, finden selten so prominent Platz in der Printausgabe der Wochenzeitung. Auch in ihrem neuen Video zum Song Blue Light spielt sie mit Erotik und ihrem Körper. Doch, wer neugierig auf innovative Popmusik ist, kann auch einfach zuhören, es lohnt sich. Ihr Debut Take Me Apart ist Anfang Oktober über Warp Records erschienen.



Drinkenstein
Wir sind ja auch dafür, kleinere, lokale Bands vorzustellen. Drinkenstein kommt aus Münster und die musikalische Marschrichtung ist relativ leicht erkennbar: Metal! Da wir ein paar Hintergrundinformationen haben, wissen wir, dass zumindest dem Schauspieler im Affenkostüm während, vor und nach den Dreharbeiten zu diesem Video relativ warm gewesen ist. Hört es, dreht es laut: "Let's smoke and fuck and drink tonight". Klingt wie Turbonegro, nur lauter.


Freitag, 10. November 2017

Olympique - Tourauftakt im Conrad Sohm

Olympique
(sb) In der Versenkung verschwunden waren sie, komplett abgetaucht, selbst um den Fortbestand der Band musste man sich Sorgen machen, doch mit ihrem neuen Album "Chron" haben sich OLYMPIQUE eindrucksvoll zurückgemeldet. Am vergangenen Donnerstag folgte nun der Tourauftakt im Dornbirner Prachtclub "Conrad Sohm"  - dabei gab es lange, aber auch strahlende Gesichter, denn trotz zweier toller Konzerte war nicht alles so golden, wie man es sich erhofft hatte.

Ein Blick in die Vergangenheit: ausverkaufte Konzerte, volle Hallen in ganz Österreich und Deutschland sowie die Aussicht, das "nächste große Ding" mit internationalem Anspruch zu werden. Musikalisch unterstreichen Sänger Fabian Woschnagg und Drummer Nino Ebner das noch immer, alleine der Publikumszuspruch zum Tourauftakt hielt sich leider arg in Grenzen, denn mehr als 150 Leute dürften es nicht gewesen sein, die sich beim einzigen Vorarlberg-Termin der Salzburger eingefunden hatten. Da hilft halt auch die schönste Atmosphäre nix, die man sich beim einem Club vorstellen kann, wenn dann keiner hingeht, doch dieses Schicksal erlitten im Sohm leider schon ein paar andere Rockbands wie Therapy? oder We Are Scientists. Wie dem auch sei: diejenigen, die da waren, dürften sich bestens unterhalten gefühlt haben, denn bereits der Supportact SIMON LEWIS legte einen grandiosen Auftritt hin. Der Wiener Straßenmusiker ist erstmals auf Tour, von Nervosität jedoch keine Spur und seine nur mit Gitarre begleiteten Songs überzeugten von A bis Z. Hoffentlich hört man von dem sympathischen Sänger und Songwriter bald mehr, die erste Single All I Am hat es dank Ö3-Airplay immerhin schon auf Platz 84 der österreichischen Single-Charts geschafft. Ordentlich Luft nach oben also.

Simon Lewis
Nach einer sehr kurzweiligen halben Stunde und der obligatorischen Umbaupause betraten
OLYMPIQUE die Bühne. Unterstützt wurden die beiden festen Mitglieder der Band durch drei Gastmusiker, die sämtliche Spektren des Hipstertums ausfüllten. Ob Hornbrille, Vollbart, hautenge Hochwasserjeans oder Lederstiefletten - da blieb kein Auge trocken. Aber es geht um die Musik und da haben die Burschen ordentlich Gas gegeben und den OLYMPIQUE-Songs den notwendigen Feinschliff verpasst. Mit R.O.F. ging es auch direkt bombastisch und laut los, im Laufe des Konzerts wechselten sich die neuen Songs angenehm mit den Klassikern des Debütalbums "Crystal Palace" ab. Herausragend aus meiner Sicht waren Lebanon (ohnehin mein Lieblingssong auf "Chron"), The Reason I Came und True Love, absoluter und unumstrittener Höhepunkt diesmal jedoch Face Down The Earth. Was Woschnagg da gesanglich veranstaltet hat, war einfach nur geil!

In diesem Sinne hoffe ich, dass Ihr auch bald in den Genuss kommen werdet, OLYMPIQUE live zu
sehen und wünsche Euch (und der Band), dass dann ein paar mehr Leute da sein werden.

Hier die weiteren Termine:

10.11.17 Innsbruck (AT), Hafen
11.11.17 Linz (AT), Posthof
23.-25.11.17 Graz (AT), Styrian Sounds Festival
28.11.17 Salzburg (AT), Rockhouse
29.11.17 Wien (AT), WUK
30.01.18 Frankfurt (DE), Nachtleben
31.01.18 München (DE), Backstage Club
01.02.18 Nürnberg (DE), Club Stereo
03.02.18 Köln (DE), Subway
04.02.18 Hamburg (DE), Prinzenbar
05.02.18 Berlin (DE), Cassiopeia


 
 

Mittwoch, 8. November 2017

Zugezogen Maskulin - Alle gegen Alle

Provinziell: Testo und Grim104. Quelle: www.zeit.de
(ms) Es begann in De Cive im Jahr 1642. In dieser kleinen Schrift hat Thomas Hobbes das erste Mal vom bellum omnium contra omnes gesprochen. Es ist der Krieg aller gegen alle, der im Naturzustand des Menschen herrschen würde. Dieser wiederum ist weitestgehend theoretischer Natur, eine Situation, in der das Individuum ganz auf sich allein gestellt ist und den größtmöglichen Vorteil in der Gesellschaft sucht. Dabei nimmt es keinerlei Rücksicht auf die Mitmenschen. Die Folge sind Chaos und im weitesten Sinne Anarchie. Daher braucht es eine regelnde Macht von oben: den Leviathan, einen absoluten Monarchen. Damit soll dieser Krieg beendet werden.
So viel zu dem kleinen Ausflug in die Philosophie und Staatstheorie.

Alle Gegen Alle, so geht es auf dem ebenso betitelten neuen Album von Zugezogen Maskulin vor. Trotz (oder wegen) ihres gewollt und überspitzten Machodarstellung, haben Testo und Grim104 mit Sicherheit Hobbes' Ausführungen gründlich gelesen. Gekämpft, getötet und gehasst wird fleißig auf den 12 neuen Tracks. Sie spielen wie gewohnt zwischen den eigenen überzeichneten Gestalten: Testo etwas Gangster, Grim komplett überdreht. So mag man die beiden!

Das Intro beginnt mit einem Deichkind-Bass in den ersten Sekunden, doch dieser Schreck wird schnell aufgehoben, weil Grims Engelsstimme und Testos Pseudomachotum dies fix brechen. Was Für Eine Zeit ist die erste Single gewesen mit einer starken Hook, die schnell ballert und der der breite Inhalt klar wird, wenn das einzig spannende ist bei Craftbeer über Dreadlocks zu diskutieren, dann lieber einen Molotowcocktail ab ins Flüchtlingsheim, irgendwie muss ja polarisiert werden: "Alles ist zum Kotzen, Mittelmaß wohin man sieht". Genau. Der Titeltrack ist dann der (!!!) Pop-Song der Platte. Aber er erkundet und dramatisiert Hobbes' Thesen, dass die Peitschen knallen und der Naturzustand explizit beim Namen genannt wird.
In Vor Adams Zeiten kann der Autotune manchmal nerven, scheint er derzeit Status Quo im Rap zu sein. Doch hier hat er paranoiderweise das Potential zum Ohrwurm zu mutieren. Mit Stirb! war der Inhalt selten so schnell im Liedernamen zusammengefasst! Stets wird mit dem Hip Hop-Gehabe gespielt: Textlich, musikalisch und in Anlehnungen, unter anderem bei Yeesy Christ Superstar (hier sollte man sich die ersten Zeilen von Testo auf der Zunge zergehen lassen)! Zwischenzeitlich nervt das AfD-Bashing ein bisschen, da es diejenigen sowieso nicht erreicht. Aber nun gut...
Zwischen Ironie, Persiflage und starker Sprachbilder gibt es Hass, Hass, Hass. Insbesondere auf Nachtbus; Hass auf alles und jeden, doch der Bass ist genauso geil wie der herrliche Gesang von Grim! Zum Ende hin (Steffi Graf) kann man auch einfach mal den eigenen Namen skandieren: Gar kein Problem!
Das Album ist stark, auf jeden Fall. Die Beats sind manchmal (sehr) gewöhnungsbedürftig, aber nicht so heftig wie auf den beiden Vorgängern. Alle Gegen Alle ist insgesamt etwas glatter produziert, aber das schadet der Qualität an keiner Stelle.

Grim104 und Testo sind hier demnächst auf Tour:
10.01.2018 - Leipzig, Werk 2
11.01.2018 - Rostock, Peter-Weiss-Haus
12.01.2018 - Bremen, Tower
13.01.2018 - Münster, Skaters Palace
15.01.2018 - Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
16.01.2018 - Frankfurt, Zoom
17.01.2018 - München, Strom
18.01.2018 - Würzburg, Bechtolsheimer Hof
20.01.2018 - Berlin, Festsaal Kreuzberg
22.02.2018 - Hannover, Musikzentrum
23.02.2018 - Hamburg, Uebel&Gefährlich
24.02.2018 - Kiel, Orange Club
25.02.2018 - Bochum, Bahnhof Langendreer
27.02.2018 - Stuttgart, Im Wizemann
28.02.2018 - Heidelberg, Karlstorbahnhof
01.03.2018 - Erlangen, E-Werk
02.03.2018 - Salzburg, Rockhouse
03.03.2018 - Wien, Grelle Forelle
06.03.2018 - Reutlingen, Franz K
07.03.2018 - Karlsruhe, Substage
08.03.2018 - Trier, Exhaus






Freitag, 3. November 2017

KW 44, 2017: Die luserlounge selektiert

sunshine.by
(ms) Nichts ist in dieser Zeit ja bekanntlich langweiliger, als in einem Tages- oder Wochenrückblick ständig übers Wetter zu reden. Oder halt über die Ergebnisse der Champions League und was man da so alles hineindeuten kann; völliger Humbug. Viel interessanter ist doch, warum das Wasser im Bad nicht mehr so warm wird, ob am Freitag oder Samstag der Müll abgeholt wird (oder gar nicht wegen doppeltem Feiertag zumindest in Nordrhein-Westfalen). Hochspannend ja auch die Frage, ob eine Postsendung, die ich morgen am späten Morgen abgeben möchte noch am Samstag an ihrem Zielort ankommt. Das sind Überlegungen, die für astreinen Stoff in der Verschwörungscommunity sorgen! Genauso wichtig: Wo sind die vermaledeiten Müllbeutel, die so gut in den kleinen Mülleimer unter dem Waschbecken passen?! Ja, das sind die wahrhaft großen Fragen; hier wird es wirklich wichtig. Das entscheidet über Leben und Tod! Mindestens!
Über Leben und Tod entscheidet auch oft Musik. Ob das jetzt metaphorisch oder wörtlich zu lesen ist, bleibt ja (Stichwort Überinterpretation) stets dem Leser übrig. Wir haben mal wieder neugierig machende Töne zusammen getragen, die interessieren könnten!

Nightmares on Wax
Warum sollte man sich George Evelyn nennen, wenn man auf die Idee gekommen ist, sein Projekt Nightmares on Wax zu betiteln? Der Name ist ein Knaller und damit ist er schon seit über 25 Jahren erfolgreich unterwegs. Nun kommt am 26. Januar sein neues Album Shape The Future über das Label Warp Records ans Tageslicht. Was seit langer Zeit als Mittel zum Erfolg dienlich war, entfacht auch hier wieder hypnotische Wirkung: Der feine Mix aus lockeren elektronischen Klängen, Hip Hop und Soul. Das geht total intensiv aber auch mal nebenbei. Vielleicht eine neue Spielart von Easy Listening?! Wer weiß... Es gibt schon einen feinen Vorgeschmack auf das neue Werk und das Video zu Citizen Kane mit Mozes und Allan Kingdom am Gesang ist ein toller Kurzfilm geworden!



Schlammpeitziger
Mit Worten Akrobatik machen, also akrobatikieren?! Naja...
Das alles schafft Jo Zimmermann seit den 90er Jahren mit herrlich verschwurbelter elektronischer Musik und deren Titeln. Sein neues Album, das den wundersamen Titel Damenbart auf Pregnant Hill trägt, erscheint am 19. Januar auf Bureau B. Wie auf seinem vorherigen Material arbeitet er dabei mit alten Gerätschaften, kitzelt merkwürdige Sounds heraus, bleibt ohne wirklichen Gesang und erzeugt so Klänge, die sphärisch, teils sogar lustig aber immer extrem gut hörbar sind. Zum Namen nochmal: Luft schlucken und sie wieder auszupupsen – das ist die Hauptbeschäftigung des gemeinen Schlammpeitziger, eine Kreatur, die in den schlammigen Gewässern des europäischen und asiatischen Flachlands vorkommt. Warum also nicht?!



Tuvaband
Wir müssen noch ein bisschen Indiepop einbringen in diese Zeilen.
Das britisch-norwegische Duo eignet sich dafür herausragend. Am Mittwoch ist ihre 5-Song-EP Mess erschienen und die gleichnamige Single hält genau das, woran man denkt, wenn man beide Länder musikalisch vor sich hat: Sanft, verträumt, fein, gut mit dem besten aus Klavier und gezupfter Gitarre. Auf der zerbrechlich anmutenden Musik brilliert Sängerin Tuva Hellum Marschhäuser mit ihrer präsenten und sehr zielgerichteten Stimme. Doch am besten kann man sich davon selbst überzeugen: